Adventskalender Türchen 28 ~ Der goldene Vogel

28

Es war vor Zeiten ein König, der hatte einen schönen Lustgarten hinter seinem Schloß, darin stand ein Baum, der goldene Äpfel trug. Als die Äpfel reiften, wurden sie gezählt, aber gleich den nächsten Morgen fehlte einer. Das ward dem König gemeldet, und er befahl, daß alle Nächte unter dem Baume Wache sollte gehalten werden. Der König hatte drei Söhne, davon schickte er den ältesten bei einbrechender Nacht in den Garten. Wie es aber Mitternacht war, konnte er sich des Schlafes nicht erwehren, und am nächsten Morgen fehlte wieder ein Apfel. In der folgenden Nacht mußte der zweite Sohn wachen, aber dem erging es nicht besser. Als es zwölf Uhr geschlagen hatte, schlief er ein, und morgens fehlte ein Apfel. Jetzt kam die Reihe zu wachen an den dritten Sohn; der war auch bereit, aber der König traute ihm nicht viel zu und meinte, er würde noch weniger ausrichten als seine Brüder; endlich aber gestattete er es doch. Der Jüngling legte sich also unter den Baum, wachte und ließ den Schlaf nicht Herr werden. Als es zwölf schlug, so rauschte etwas durch die Luft, und er sah im Mondschein einen Vogel daherfliegen, dessen Gefieder ganz von Gold glänzte. Der Vogel ließ sich auf dem Baume nieder und hatte eben einen Apfel abgepickt, als der Jüngling einen Pfeil nach ihm abschoß. Der Vogel entfloh, aber der Pfeil hatte sein Gefieder getroffen, und eine seiner goldenen Federn fiel herab. Der Jüngling hob sie auf, brachte sie am andern Morgen dem König und erzählte ihm, was er in der Nacht gesehen hatte. Der König versammelte seinen Rat, und jedermann erklärte, eine Feder wie diese sei mehr wert als das gesamte Königreich. “Ist die Feder so kostbar,” erklärte der König, “so hilft mir die eine auch nichts, sondern ich will und muß den ganzen Vogel haben.”

Der älteste Sohn machte sich auf den Weg, verließ sich auf seine Klugheit und meinte den goldenen Vogel schon zu finden. Wie er eine Strecke gegangen war, sah er an dem Rande eines Waldes einen Fuchs sitzen, legte seine Flinte an und zielte auf ihn. Der Fuchs rief: “Schieß mich nicht, ich will dir dafür einen guten Rat geben. Du bist auf dem Weg nach dem goldenen Vogel und wirst heute abend in ein Dorf kommen, wo zwei Wirtshäuser einander gegenüberstehen. Eins ist hell erleuchtet, und es geht darin lustig her; da kehr aber nicht ein, sondern geh ins andere, wenn es dich auch schlecht ansieht.” Wie kann mir wohl so ein albernes Tier einen vernünftigen Rat erteilen! dachte der Königssohn und drückte los, aber er fehlte den Fuchs, der den Schwanz streckte und schnell in den Wald lief. Darauf setzte er seinen Weg fort und kam abends in das Dorf, wo die beiden Wirtshäuser standen. In dem einen ward gesungen und gesprungen, das andere hatte ein armseliges betrübtes Ansehen. Ich wäre wohl ein Narr, dachte er, wenn ich in das lumpige Wirtshaus ginge und das schöne liegen ließ. Also ging er in das lustige ein, lebte da in Saus und Braus und vergaß den Vogel, seinen Vater und alle guten Lehren.

Als eine Zeit verstrichen und der älteste Sohn immer und immer nicht nach Haus gekommen war, so machte sich der zweite auf den Weg und wollte den goldenen Vogel suchen. Wie dem Ältesten begegnete ihm der Fuchs und gab ihm den guten Rat, den er nicht achtete. Er kam zu den beiden Wirtshäusern, wo sein Bruder am Fenster des einen stand, aus dem der Jubel erschallte, und ihn anrief. Er konnte nicht widerstehen, ging hinein und lebte nur seinen Lüsten.

Wiederum verstrich eine Zeit, da wollte der jüngste Königssohn ausziehen und sein Heil versuchen, der Vater aber wollte es nicht zulassen. “Es ist vergeblich,” sprach er, “der wird den goldenen Vogel noch weniger finden als seine Brüder, und wenn ihm ein Unglück zustößt, so weiß er sich nicht zu helfen, es fehlt ihm am Besten.” Doch endlich, wie keine Ruhe mehr da war, ließ er ihn ziehen. Vor dem Walde saß wieder der Fuchs, bat um sein Leben und erteilte den guten Rat. Der Jüngling war gutmütig und sagte: “Sei ruhig, Füchslein, ich tue dir nichts zuleid!” – “Es soll dich nicht gereuen,” antwortete der Fuchs, “und damit du schneller fortkommst, so steig hinten auf meinen Schwanz.” Und kaum hat er sich aufgesetzt, so fing der Fuchs an zu laufen und ging’s über Stock und Stein, daß die Haare im Winde pfiffen. Als sie zu dem Dorf kamen, stieg der Jüngling ab, befolgte den guten Rat und kehrte, ohne sich umzusehen, in das geringe Wirtshaus ein, wo er ruhig übernachtete. Am andern Morgen, wie er auf das Feld kam, saß da schon der Fuchs und sagte: “Ich will dir weiter sagen, was du zu tun hast. Geh du immer gerade aus, endlich wirst du an ein Schloß kommen, vor dem eine ganze Schar Soldaten liegt; aber kümmre dich nicht darum, denn sie werden alle schlafen und schnarchen: geh mittendurch und geradewegs in das Schloß hinein, und geh durch alle Stuben. Zuletzt wirst du in eine Kammer kommen, wo ein goldener Vogel in einem hölzernen Käfig hängt. Nebenan steht ein leerer Goldkäfig zum Prunk, aber hüte dich, daß du den Vogel nicht aus seinem schlechten Käfig herausnimmst und in den prächtigen tust, sonst möchte es dir schlimm ergehen.” Nach diesen Worten streckte der Fuchs wieder seinen Schwanz aus, und der Königssohn setzte sich auf. Da ging’s über Stock und Stein, daß die Haare im Winde pfiffen. Als er bei dem Schloß angelangt war, fand er alles so, wie der Fuchs gesagt hatte. Der Königssohn kam in die Kammer, wo der goldene Vogel in einem hölzernen Käfig stand, und ein goldener stand daneben; die drei goldenen Äpfel aber lagen in der Stube umher. Da dachte er, es wäre lächerlich, wenn er den schönen Vogel in dem gemeinen und häßlichen Käfig lassen wollte, öffnete die Türe, packte ihn und setzte ihn in den goldenen. In dem Augenblick aber tat der Vogel einen durchdringenden Schrei. Die Soldaten erwachten, stürzten herein und führten ihn ins Gefängnis. Den andern Morgen wurde er vor ein Gericht gestellt und, da er alles bekannte, zum Tode verurteilt. Doch sagte der König, er wollte ihm unter einer Bedingung das Leben schenken, wenn er ihm nämlich das goldene Pferd brächte, welches noch schneller liefe als der Wind, und dann sollte er obendrein zur Belohnung den goldenen Vogel erhalten.

Der Königssohn machte sich auf den Weg, seufzte aber und war traurig, denn wo sollte er das goldene Pferd finden? Da sah er auf einmal seinen alten Freund, den Fuchs, an dem Wege sitzen. “Siehst du,” sprach der Fuchs, “so ist es gekommen, weil du mir nicht gehört hast! Doch sei guten Mutes, ich will mich deiner annehmen und dir sagen, wie du zu dem goldenen Pferd gelangst. Du mußt gerades Weges fortgehen, so wirst du zu einem Schloß kommen, wo das Pferd im Stalle steht. Vor dem Stall werden die Stallknechte liegen, aber sie werden schlafen und schnarchen, und du kannst geruhig das goldene Pferd herausführen. Aber eins mußt du in acht nehmen: leg ihm den schlechten Sattel von Holz und Leder auf und ja nicht den goldenen, der dabeihängt, sonst wird es dir schlimm ergehen.” Dann streckte der Fuchs seinen Schwanz aus, der Königssohn setzte sich auf, und es ging über Stock und Stein, daß die Haare im Winde pfiffen. Alles traf so ein, wie der Fuchs gesagt hatte, er kam in den Stall, wo das goldene Pferd stand. Als er ihm aber den schlechten Sattel auflegen wollte, so dachte er: Ein so schönes Tier wird verschändet, wenn ich ihm nicht den guten Sattel auflege, der ihm gebührt. Kaum aber berührte der goldene Sattel das Pferd, so fing es an laut zu wiehern. Die Stallknechte erwachten, ergriffen den Jüngling und warfen ihn ins Gefängnis. Am andern Morgen wurde er vom Gerichte zum Tode verurteilt, doch versprach ihm der König das Leben zu schenken und dazu das goldene Pferd, wenn er die schöne Königstochter vom goldenen Schlosse herbeischaffen könnte.

Mit schwerem Herzen machte sich der Jüngling auf den Weg, doch zu seinem Glück fand er bald den treuen Fuchs. “Ich sollte dich nur deinem Unglück überlassen,” sagte der Fuchs, “aber ich habe Mitleiden mit dir und will dir noch einmal aus deiner Not helfen. Dein Weg führt dich gerade zu dem goldenen Schlosse. Abends wirst du anlangen, und nachts, wenn alles still ist, dann geht die schöne Königstochter ins Badehaus, um da zu baden. Und wenn sie hineingeht, so spring auf sie zu und gib ihr einen Kuß, dann folgt sie dir, und kannst sie mit dir fortführen; nur dulde nicht, daß sie vorher von ihren Eltern Abschied nimmt, sonst kann es dir schlimm ergehen.” Dann streckte der Fuchs seinen Schwanz, der Königssohn setzte sich auf, und so ging es über Stock und Stein, daß die Haare im Winde pfiffen. Als er beim goldenen Schloß ankam, war es so, wie der Fuchs gesagt hatte. Er wartete bis um Mitternacht, als alles in tiefem Schlaf lag und die schöne Jungfrau ins Badehaus ging, da sprang er hervor und gab ihr einen Kuß. Sie sagte, sie wollte gerne mit ihm gehen, sie bat ihn aber flehentlich und mit Tränen, er möchte ihr erlauben, vorher von ihren Eltern Abschied zu nehmen. Er widerstand anfangs ihren Bitten, als sie aber immer mehr weinte und ihm zu Füßen fiel, so gab er endlich nach. Kaum war die Jungfrau zu dem Bette ihres Vaters getreten, so wachte er und alle andern, die im Schlosse waren, auf, und der Jüngling ward festgehalten und ins Gefängnis gesetzt.

Am andern Morgen sprach der König zu ihm: “Dein Leben ist verwirkt, und du kannst bloß Gnade finden, wenn du den Berg abträgst, der vor meinen Fenstern liegt und über welchen ich nicht hinaussehen kann, und das mußt du binnen acht Tagen zustande bringen. Gelingt dir das, so sollst du meine Tochter zur Belohnung haben.” Der Königssohn fing an, grub und schaufelte ohne abzulassen, als er aber nach sieben Tagen sah, wie wenig er ausgerichtet hatte und alle seine Arbeit so gut wie nichts war, so fiel er in große Traurigkeit und gab alle Hoffnung auf. Am Abend des siebenten Tages aber erschien der Fuchs und sagte: “Du verdienst nicht, daß ich mich deiner annehme, aber geh nur hin und lege dich schlafen, ich will die Arbeit für dich tun.” Am andern Morgen, als er erwachte und zum Fenster hinaussah, so war der Berg verschwunden. Der Jüngling eilte voll Freude zum König und meldete ihm, daß die Bedingung erfüllt wäre, und der König mochte wollen oder nicht, er mußte Wort halten und ihm seine Tochter geben.

Nun zogen die beiden zusammen fort, und es währte nicht lange, so kam der treue Fuchs zu ihnen. “Das Beste hast du zwar,” sagte er, “aber zu der Jungfrau aus dem goldenen Schloß gehört auch das goldene Pferd.” – “Wie soll ich das bekommen?” fragte der Jüngling. “Das will ich dir sagen,” antwortete der Fuchs, “zuerst bring dem Könige, der dich nach dem goldenen Schlosse geschickt hat, die schöne Jungfrau. Da wird unerhörte Freude sein, sie werden dir das goldene Pferd gerne geben und werden dir’s vorführen. Setz dich alsbald auf und reiche allen zum Abschied die Hand herab, zuletzt der schönen Jungfrau, und wenn du sie gefaßt hast, so zieh sie mit einem Schwung hinauf und jage davon, und niemand ist imstande, dich einzuholen, denn das Pferd läuft schneller als der Wind.”

Alles wurde glücklich vollbracht, und der Königssohn führte die schöne Jungfrau auf dem goldenen Pferde fort. Der Fuchs blieb nicht zurück und sprach zu dem Jüngling: “Jetzt will ich dir auch zu dem goldenen Vogel verhelfen. Wenn du nahe bei dem Schlosse bist, wo sich der Vogel befindet, so laß die Jungfrau absitzen, und ich will sie in meine Obhut nehmen. Dann reit mit dem goldenen Pferd in den Schloßhof; bei dem Anblick wird große Freude sein, und sie werden dir den goldenen Vogel herausbringen. Wie du den Käfig in der Hand hast, so jage zu uns zurück und hole dir die Jungfrau wieder ab.” Als der Anschlag geglückt war und der Königssohn mit seinen Schätzen heimreiten wollte, so sagte der Fuchs: “Nun sollst du mich für meinen Beistand belohnen.” – “Was verlangst du dafür?” fragte der Jüngling. “Wenn wir dort in den Wald kommen, so schieß mich tot und hau mir Kopf und Pfoten ab.” – “Das wäre eine schöne Dankbarkeit!” sagte der Königssohn, “das kann ich dir unmöglich gewähren.” Sprach der Fuchs: “Wenn du es nicht tun willst, so muß ich dich verlassen; ehe ich aber fortgehe, will ich dir noch einen guten Rat geben. Vor zwei Stücken hüte dich, kauf kein Galgenfleisch und setze dich an keinen Brunnenrand!” Damit lief er in den Wald.

Der Jüngling dachte: “Das ist ein wunderliches Tier, das seltsame Grillen hat. Wer wird Galgenfleisch kaufen! Und die Lust, mich an einen Brunnenrand zu setzen, ist mir noch niemals gekommen.” Er ritt mit der schönen Jungfrau weiter, und sein Weg führte ihn wieder durch das Dorf, in welchem seine beiden Brüder geblieben waren. Da war großer Auflauf und Lärmen, und als er fragte, was da los wäre, hieß es, es sollten zwei Leute aufgehängt werden. Als er näher hinzukam, sah er, daß es seine Brüder waren, die allerhand schlimme Streiche verübt und all ihr Gut vertan hatten. Er fragte, ob sie nicht könnten freigemacht werden. “Wenn Ihr für sie bezahlen wollt,” antworteten die Leute, “aber was wollt Ihr an die schlechten Menschen Euer Geld hängen und sie loskaufen.” Er besann sich aber nicht, zahlte für sie, und als sie freigegeben waren, so setzten sie die Reise gemeinschaftlich fort.

Sie kamen in den Wald, wo ihnen der Fuchs zuerst begegnet war, und da es darin kühl und lieblich war und die Sonne heiß brannte, so sagten die beiden Brüder: “Laßt uns hier an dem Brunnen ein wenig ausruhen, essen und trinken!” Er willigte ein, und während des Gespräches vergaß er sich, setzte sich an den Brunnenrand und versah sich nichts Arges. Aber die beiden Brüder warfen ihn rückwärts in den Brunnen, nahmen die Jungfrau, das Pferd und den Vogel, und zogen heim zu ihrem Vater. “Da bringen wir nicht bloß den goldenen Vogel,” sagten sie, “wir haben auch das goldene Pferd und die Jungfrau von dem goldenen Schlosse erbeutet.” Da war große Freude, aber das Pferd fraß nicht, der Vogel pfiff nicht, und die Jungfrau, die saß und weinte.

Der jüngste Bruder aber war nicht umgekommen. Der Brunnen war zum Glück trocken, und er fiel auf weiches Moos, ohne Schaden zu nehmen, konnte aber nicht wieder heraus. Auch in dieser Not verließ ihn der treue Fuchs nicht, kam zu ihm herabgesprungen und schalt ihn, daß er seinen Rat vergessen hätte. “Ich kann’s aber doch nicht lassen,” sagte er, “ich will dir wieder an das Tageslicht helfen.” Er sagte ihm, er sollte seinen Schwanz anpacken und sich fest daran halten, und zog ihn dann in die Höhe. “Noch bist du nicht aus aller Gefahr,” sagte der Fuchs, “deine Brüder waren deines Todes nicht gewiß und haben den Wald mit Wächtern umstellt, die sollen dich töten, wenn du dich sehen ließest.” Da saß ein armer Mann am Weg, mit dem vertauschte der Jüngling die Kleider und gelangte auf diese Weise an des Königs Hof. Niemand erkannte ihn, aber der Vogel fing an zu pfeifen, das Pferd fing an zu fressen, und die schöne Jungfrau hörte Weinens auf. Der König fragte verwundert: “Was hat das zu bedeuten?” Da sprach die Jungfrau: “Ich weiß es nicht, aber ich war so traurig und nun bin ich so fröhlich. Es ist mir, als wäre mein rechter Bräutigam gekommen.” Sie erzählte ihm alles, was geschehen war, obgleich die andern Brüder ihr den Tod angedroht hatten, wenn sie etwas verraten würde. Der König hieß alle Leute vor sich bringen, die in seinem Schlosse waren, da kam auch der Jüngling als ein armer Mann in seinen Lumpenkleidern, aber die Jungfrau erkannte ihn gleich und fiel ihm um den Hals. Die gottlosen Brüder wurden ergriffen und hingerichtet, er aber ward mit der schönen Jungfrau vermählt und zum Erben des Königs bestimmt.

Aber wie ist es dem armen Fuchs ergangen? Lange danach ging der Königssohn einmal wieder in den Wald. Da begegnete ihm der Fuchs und sagte: “Du hast nun alles, was du dir wünschen kannst, aber mit meinem Unglück will es kein Ende nehmen, und es steht doch in deiner Macht, mich zu erlösen,” und abermals bat er flehentlich, er möchte ihn totschießen und ihm Kopf und Pfoten abhauen. Also tat er’s, und kaum war es geschehen, so verwandelte sich der Fuchs in einen Menschen und war niemand anders als der Bruder der schönen Königstochter, der endlich von dem Zauber, der auf ihm lag, erlöst war. Und nun fehlte nichts mehr zu ihrem Glück, solange sie lebten.

ENDE

 

Wenn Männer basteln…

Seit über einem Jahr folge ich nun immer wieder gern dem Blog „Der tägliche Wahnsinn“ aus der Feder eines Feuerwehrmannes. Der Schreibstil des Blogautors gefällt mir unheimlich gut. Er ist gespickt mit Humor, Sarkasmus und tollen Gedanken und Wortspielereien. Genauso wie es mir gefällt und wie ich es liebe.

Heute aber lag ich vor Lachen fast auf dem Boden, als ich den Beitrag „Wenn Männer basteln“ gelesen habe. Ich konnte kaum noch lesen, so musste ich grinsen, feiern und ablachen über die Wortwahl und Gedankengänge. Ja, ich litt beim Lesen auch Schnitt für Schnitt und Stich für Stich mit, konnte mir dennoch ein Grinsen nicht unterdrücken!

Ach, lest einfach selbst und ihr werdet verstehen, was ich meine.

Zum Beitrag geht es –> HIER <–

Ich wünsche dem wunden Finger und dem Feuerwehrmännel selbst alles Gute und schön den Finger nicht bewegen! Und beim nächsten Schneideversuch: Immer WEG vom Körper!!!!! So was lernt man doch heutzutage schon im Kindesalter, oder nicht?! 😉

Euer Schneewittchen

 

 

Schmetterlingsgeschichte

Zufällig entdeckte ich im Netz eine sehr bewegende kurze Geschichte eines Schmetterlings, die ihr unbedingt gelesen haben müsst!

–> Schmetterlingsgeschichte

Besonders treffend fand ich den Satz: „Wir brauchen manchmal den Schmerz um uns entfalten zu können – um der oder die zu sein, die wir sein können.“

Euer Schneewittchen

 

Romeo und Julia / Rapunzel Sketche

Ihr mögt Märchen genauso gern wie ich und lacht auch sehr gern?

Dann empfehle ich euch unbedingt die Sketche von Simone Ehrhardt alias Sara Winter. Ihre Blogs entdeckte ich leider erst heute, muss mir aber jetzt schon den Bauch halten vor Lachen.

Lest euch einfach die Balkonszene von Romeo und Julia durch und auch von Rapunzel`s  Turmszene „Rapunzel, lass dein Haarteil runter„. Ich konnte nicht mehr vor Lachen!

Ich hoffe, Frau Ehrhardt schreibt weiterhin so schön und unterhaltsam, dann bin ich auf jeden Fall ihr neuer Fan 🙂

Euer Schneewittchen

PS:

Leseprobe zu „Neue Schwester, Neues Glück“ von Sara Winter

Alles runter, den Rest mache ich!

So in etwa läuft es derzeit in der alter Wohnung meiner Großeltern. Denn dort stehen Mom, meine Wenigkeit und 2 weitere männliche Persönlichkeiten und rupsen die Tapete von allen Wänden und Decken. Eine wahre „Drecksarbeit“. Nur gut, dass es hilft, dass wir die Wände ein wenig mit Wasser einsprühen. So löst sich die Tapete wenigstens etwas.

Meine Mom hat sogar großen Spaß dabei, mich mit der Sprühpistole immer nass zu spritzen. Dann kichert sie immer und ich bin – wieder mal – nass. Ich bekam so heute 4 kleine Duschen – ungewollt. Aber es tut irgendwie auch gut, meine Mom mal ein wenig aufzuheitern, deshalb verziehe ich mein Gesicht immer wieder, weshalb sie zu lachen anfängt. Ihr geht es derzeit nämlich auch nicht besonders gut. Zudem kam ihr geliebtes Auto heute nicht durch den TÜV, weshalb sie – logischerweise – auch noch verärgert und sauer zugleich war. Da tat das Abrupsen der Tapete von den Wänden gut, ihr wegen des Ärgers mit Auto und TÜV und mir half es, um ein wenig abzuschalten. Arbeit hilft mir merkwürdigerweise immer. Und Tapete habe ich schon immer gern irgendwie von den Wänden gefetzt …

Nur blöd, dass die alte Farbe dabei immer mit abbröckelt und auf einen niederrieselt. Meine Haare sahen da gleich wieder aus… Tsss… Als wären weiße Schneeflocken darin gelandet. Obwohl das wiederum zu meinem Spitznamen „Schneewittchen“ passt…

Ein einhalb Zimmer wären geschafft, nun folgen die restlichen Zimmer in den kommenden Tagen, denn der Vermieter drängelt schon wie wild, weil die die Wohnung wiederhaben wollen.

Die lassen einem aber auch echt keine Zeit zum Atem holen und Trauern…

Euer Schneewittchen

 

Verflixter Dezember 2012

Erst kommen meine Großeltern mütterlicherseits ins Pflegeheim, meine Oma erlebt mehrere Schlaganfälle und stirbt am 1. Adventswochenende, so dass die Beerdigung gleich den Freitag darauf stattfand.

Und nun erfahre ich soeben, dass auch meine Oma väterlicherseits ins Pflegeheim ab morgen geht, weil sie ihr eigenes Haus unter Wasser gesetzt hat.

Mein Onkel hatte sie die ganze Zeit in dem riesigen Haus allein gelassen, obwohl sie Demenz hat und allein nicht mehr zurecht kam. Dabei haben wir alles versucht, ihr zu helfen, doch er hat die Vollmachten und hat uns immer einen Strich durch die Rechnung gemacht und alles gut gemeinte von uns verhindert. So konnten wir nur darauf warten, bis Oma entweder das Haus in die Luft jagt (sie rauchte gern und ließ nebenbei den Gashahn offen) oder sie setzt alles unter Wasser.

Letzteres ist heute Abend nun eingetreten. Eine Pflegekraft vom ambulanten Pflegedienst hat Oma samt Haus so gefunden und uns informiert. Zum Glück haben wir auch diesmal wieder Glück gehabt und für Oma umgehend einen Platz in einem Pflegeheim hier in der Nähe gefunden, wo sie ab morgen unterkommt.

Normalerweise steht man Ewigkeiten auf der Warteliste, bis mal ein Platz frei wird. Aber irgendwie hatten wir Glück und Oma wird nun aufgenommen und ganztags umsorgt.

Dennoch nimmt auch dieses Ereignis so kurz vor Weihnachten zusätzlich mit.

Ein verflixter Dezember!

Entweder meine Großeltern gehen ins Pflegeheim oder sie sterben…

Ich möchte gar nicht wissen, was als nächstes kommt.Doch der Dezember ist noch lange nicht vorbei…

Und dann soll ich noch weihnachtliche Gefühle entwickeln? Sorry, ich bin dermaßen grad von der Spur…

Immer wenn wir denken, dass es nicht schlimmer kommen kann, kriegen wir noch eins drauf derzeit. Dabei frage ich mich mittlerweile, wie viel wir eigentlich noch ertragen können, bei all der Schei… momentan.

 

Euer Schneewittchen

Heimbesuch

Ich besuchte meine Großeltern heute in ihrem neuen Heim, zum ersten Mal seit ihrem Einzug diesen Dienstag. Zuvor hatte ich leider keine Zeit. Als ich das Heim heute betrat, war es sehr angenehm und ruhig, wundervoll durch kleine dekorative Details gestaltet und kein „Alte-Leute“-Geruch in der Luft. Ein Ort, an dem selbst ich mich irgendwann wohlfühlen könnte. Das Gebäude hat eine interessante Struktur, der Fahrstuhl innen ist mit lustigen Postkarten und Sprüchen verziert, so dass ich mich als Fahrstuhlgast darin gut aufgehoben fühlte, obwohl ich Fahrstühle total hasse. Diesmal aber hatte es mir Spaß gemacht.

Als ich dann das neue Heim meiner Großeltern betrat und meine Oma in ihrem Bett liegen sah, saß der Schock tief. Sie sah furchtbar aus, so als würde sie bereits mit 1 Bein im Grab stehen bzw. liegen. Mir schossen sofort die Tränen in die Augen. Meine Stimme bebte als ich sie begrüßte und ihre Hand hielt. Es zerriss mir das Herz, meine Oma so zu sehen. Sie hatte seit meinem letzten Besuch im Krankenhaus am Montag einen weiteren kleinen Schlaganfall erlitten und kann nun gar nichts mehr. Selbst das Reden klappt nicht mehr, obwohl sie immer eine Frau der vielen Worte war und ich ihre Geschichten von früher liebte und ein guter und neugieriger Zuhörer war.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Oma hat Schwierigkeiten sich überhaupt noch zu verständigen. Das einzige, was noch klappt, ist ihre Hand halten. Da hat sie noch Kraft und hält einen fest und lässt einen nur sehr schwer wieder los… Mein Opa ist ähnlich. Er hat sich gleich mit beiden Händen an meiner Hand festgekrallt.
Beide sind mittlerweile auf beiden Augen blind und haben nur noch ihre Hände zum „Sehen“.

Leider können sie ihr neues zu Hause nicht sehen, dann würden sie auch die kleinen wundervoll gestalteten Details sehen, mit denen dieses Heim ausgestattet und wohnlich gemacht wurde.

Mir brach das Herz und meine „Dämme“, so dass ich erst einmal weinen musste. Ich hoffe, die beiden haben es nicht mitbekommen. Ich hatte versucht so leise wie möglich zu weinen.

Ich verstehe nicht, wie meine Oma nur so schnell – innerhalb von 3 Tagen – dermaßen abbauen konnte… Sie ist jetzt in der Pflegestufe 3 und wir wissen nicht, ob sie das WE überleben wird… Das macht mich sehr sehr traurig…

Ich bin froh, dass ich sie noch einmal in ihrem neuen zu Hause aufgesucht habe, auch, wenn es mir mein Herz und meine Seele zerreißt und mich sehr traurig und nachdenklich stimmt.