[Rezension] „Der Prinz der Elfen“ von Holly Black

51dN0mTlnvL._SX312_BO1,204,203,200_Langatmig, zähflüssig und verwirrend

Ich mochte die Grundidee eines Elfenprinzen in einem gläsernen Sarg mitten im Wald sehr, der von Hazel und ihrem Bruder Ben sowie vielen anderen täglich aufgesucht wurde. Die Vorstellung gefiel mir sehr, da sie mich an das Märchen von Schneewittchen erinnerte.

Doch leider glich „Der Prinz der Elfen“ von Holly Black so gar nicht diesem schönen Märchen. Denn es war anders. Einerseits war „Der Prinz der Elfen“ schön, weil man viele Informationen über den Erlkönig, das Volk der Elfen und verschiedene Schutzmechanismen und Rituale bekam. Aber der zähflüssige Schreibstil und das ewige hin und her der Geschichte und seiner Charaktere gefiel mir nicht. Ich hatte das Gefühl, überhaupt nicht zu wissen, wo an welcher Stelle sich die Geschichte gerade befindet und was die Autorin erzählen will. Die Geschichte plätscherte an vielen Stellen einfach so dahin und langweilte mich fast zu Tode, so dass ich hoffte, dass der Roman endlich ein Ende fände, ganz gleich welches. Es kam überhaupt keine richtige Spannung auf, die mich fesseln konnte. Dafür war die Langeweile vorherrschend wie zäher Kaugummi. Ich hatte das Buch so oft es ging zur Seite gelegt und lieber andere Bücher gelesen, als dieses fortsetzen zu wollen. Dennoch wollte ich irgendwie diese Geschichte hier zu Ende lesen und wurde enttäuscht. Es war nicht das, was ich mir unter dem märchenhaften Titel und dem spannenden Klappentext vorgestellt hatte.

Die Charaktere waren teils verwirrend dargestellt, nicht tiefgründig und ihr Potenzial nicht wirklich ausgeschöpft. Ich hätte gern mehr über Carter und Jack erfahren wollen, doch Carter rutschte immer mehr ins Aus und Jack blieb irgendwie ein Geheimnis. Hazel und Ben … ich glaubte immer, dass es da eine Verbindung zwischen den beiden Geschwistern gab, aber so oft wie sie sich gegenseitig belogen und übergingen … da glaubte ich nach einigen Seiten nicht mehr daran. Die Charaktere wirkten alle irgendwie oberflächlich und blass, so dass ich keinen der Protagonisten besonders mochte und hervorheben möchte. Ich fand einfach keinen Zugang zu ihnen.

Manche Szenen hätte ich mir gern anders gewünscht, anschaulicher und besser durchdacht, wie z. B. das Versteck des Schwertes. Denn das war nun wirklich so was von schlecht gewählt, das es jeder gefunden hätte, der sich verneigte. Ich hätte mir hier ein wesentlich besseres Versteck erhofft, das mehr Sinn ergibt.

Das Cover ist märchenhaft schön. Ich hätte auch zu gern einen Blick auf den gehörnten Prinzen im Sarg geworfen, von dem diese Geschichte handelt. Ich bin fasziniert von dem großartigen Bild, dass aus einem geheimnisvollen Wald und einem rothaarigen Mädchen (vermutlich Hazel) besteht, die mit dem Körper eines Jungen im grünen Gewand vermischt wurden.

Der Schreibstil der Autorin Holly Black war ehrlich gesagt nicht so ganz meins. Einige Passagen lasen sich fantastisch und märchenhaft. Diese Szenen liebte ich sehr. Allerdings gab es leider viele Abschnitte, in denen es extrem lange Schachtelsätze gab. Ich musste sie mehrmals lesen, um zu verstehen, was die Autorin mir damit sagen wollte. Hier hätte man deutlich mehr überarbeiten sollen.

Es blieben am Ende des Buches trotz allem auch einige Fragen offen, die ich gern beantwortet gehabt hätte. Das Ganze war für mich einfach nur enttäuschend. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an die Geschichte herangegangen?!

An sich ist die Grundidee des Buches fantastisch, aber bei der Umsetzung haperte es gewaltig, was größtenteils am verwirrenden und zähflüssigen Schreibstil der Autorin lag. Die Geschichte war zwar gut recherchiert, half aber nicht, die Spannung aufzubauen und mich gefangen zu nehmen.

„Der Prinz der Elfen“ hat mich leider nicht überzeugt. Schade, dabei war die Grundidee so faszinieren, dass ich schon allein wegen dem Klappentext und dem Cover das Buch gekauft habe. Ich gebe diesem Buch 3 Punkte – eines für das tolle Cover, einen für die tolle Grundidee und den dritten Punkt für die gute Recherche zum Erlkönig und dem Elfenvolk.

Adventskalender 2014 ~ Türchen 29

29

Der motorisierte Erlkönig

.

Wer rattert so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind.

Der Vater mit seinem Sohne Fritz,

auf LKW mit Soziussitz.

.

Mein Sohn, was birgst du das Gesicht so bang?

Siehst Vater du nicht den Bahnübergang?

Den unbewachten in nebliger Ferne?

Mein Sohn, ich hab `ne Boschlaterne.

.

Mein Vater, siehst du den Schupo nicht?

Mit Bleistift, Notizbuch und strengem Gesicht?

Sei stille mein Sohn, das geht uns nichts an,

ich hab eine falsche Nummer dran.

.

Mein Vater, mein Vater, nun halt dich dazu,

da hinten kommt einer auf NSU.

Der hat mein Sohn, das erklär ich dir später,

nur 250 Kubikzentimeter.

.

Und hinter ihm Vater, da kommt noch ein andrer,

ich sehe es ganz deutlich, es ist ein Wandrer.

Sei ruhig, mein Sohn, ich sage dir es,

wir haben mehr bei weitem mehr PS.

.

Die Hupe schreit, der Motor kracht,

so rast das Unheil in stockfinstre Nacht.

Mein Vater, mein Vater, ich hör ihn schon johlen,

gleich wird uns der Wandrer überholen.

.

Dem Vater graust es, er gibt doppelt Gas,

halte dich fest mein Sohn, sonst passier dir was,

er erreicht als erster das Gasthaus am Meer,

der Soziussitz hinter ihm aber war leer.

.

Wiederentdeckt in meiner alten Abizeitung, die ich heute zufällig in den Händen hielt 😉

Euer Schneewittchen

Der BSE-König

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Das ist der Wahnsinn mit seinem Rind.
Er hält das Tier recht fest und stark,
er will ins Hirn und Rückenmark.

Du liebes Rind, komm spiel mit mir,
gar schöne Erregung verschaff ich Dir!
Erreger, wie Du sie nie gekannt
frisch importiert aus Engeland.

„Doch sag, was birgst Du so bang Dein Gesicht?“
„Kennst, Wahnsinn, Du den Funke nicht?
Der redet schon seit eh und jeh,
in Deutschland gibt’s kein BSE.“

„Du dumme Kuh, hörtest Du nicht,
wie Andrea Fischer sich laufend verspricht?
Erst hat sie auf deutsche Würste geschworen,
jetzt redet sie nur noch von Separatoren“.

„Ach, bleib ganz ruhig“, sprach da das Rind,
„Im Blätterwalde, da säuselt der Wind.
Was scheren mich BSE und EU?
Ich bin und bleibe ’ne glückliche Kuh.“

„Und so verarscht Ihr alle Leute?
Ihr seid ja des Wahnsinns fette Beute!
Doch warte, auch Dich errege ich bald,
und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“

„Jetzt reicht’s! Verlasse sofort meinen Stall!
Sonst schmeiß ich Dich in den Schlachtabfall.
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf:
Du wirst Tiermehl und ich fress‘ Dich auf!“

Dem Wahnsinn grauste, er flüchtet geschwind
zurück nach England. Das glückliche Rind
erreicht des Bauernhofes Gestade
und ward tags drauf schon zur Roulade.

Der Erlgeenich (auf sächsisch)

Ä Babba, der reided mit Kustav sei Sohn
Seid anderthalb Schtunden durchs Rosendahl schon.
Dr Doktor, där hadd’n Bewächung empfohln,
die will sich dr Alde nu jede Nacht hol’n.

Sei Gleener wird ängstlich und meent: „Gugge da!
Dr Erlgeenich schbugd dorte, schon isser ganz nah!“
„Äscha dummes Gind“ brillt dr Babba zurick,
„Erlgeeniche gibt’s nich, mir sin Rebublik!“

„Isch säh’n aber doch! Dort feixt d’r im Busche.
‚S Mondlicht fällt’m dirkt uff de Gusche!“
„Isch wees gar nich, Kustav, waste heit wiedr hast,
’s weider nischt wie ä schimmlichr Ast!“
„Nee, nee, gannste mir gloom, s’is ä Gärl und dahinder,
da schwärm seine Dächter, verbibbch, sin das Ginder!
Die Eene winkt mit’m Schnupptuch un lacht,
nee Babba, dass is eene gomsche Nacht!“

Där Alde wärd ärcherlich un reided wie dumm
und meent zu sein Sohn:“Gugge dich ja nich mehr um!
Du steckst een ja färmlich an mit dei Bleedsinn.
Wie kann nur ä neinjärsches Gind so verdreht sin!“

Un doller noch reided där Babba drufflos,
wild fliechen de Fetzen von Ärde un Moos.
Nu endlich, da landen se, ’s is schon hälle,
Der Alde greifd hinder sich, leer is de Schdelle.
Da ruft’r un gratz sich darbei hindern Ohrn:
„So isses rischtisch, jetz hab isch mei Kustav
glicklich verlorn.“