Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung)

Prof. Dr. med. Stefan Endres, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

Beschreibung

Colitis ulcerosa ist eine chronische, schubweise verlaufende Entzündung des Dickdarms. Betroffen sind vor allem die oberflächlichen Schleimhautschichten im Dickdarm. Bei einer Colitis ulcerosa entstehen entzündliche Geschwüre, die leicht bluten. Typische Krankheitszeichen sind blutiger Stuhl, Durchfälle und Leibschmerzen.

In mancher Hinsicht ähnelt die Colitis ulcerosa dem Morbus Crohn, der überwiegend im Dünndarm auftritt, aber auch den Dickdarm befallen kann. Manchmal sind die Erkrankungen nur schwer voneinander zu unterscheiden. Colitits ulcerosa und Morbus Crohn zählen zu den Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen (CED).

An Colitis ulcerosa leiden besonders junge Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. In Deutschland tritt die Erkrankung rund vier Mal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen, auch Kinder können erkranken.

Die Colitis ulcerosa ist eine schwere Erkrankung. In den beschwerdefreien Phasen ist zwar ein normales Alltagsleben möglich, aber ein akuter Schub ist oft nicht nur schmerzhaft, sondern zwingt zur Bettruhe oder sogar zum Krankenhausaufenthalt. Colitis ulcerosa erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Ursachen

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Die Ursachen, die eine Colitis ulcerosa auslösen, sind trotz intensiver Forschung noch nicht geklärt. Vermutlich wirken erbliche, infektiöse und Umwelt-Faktoren zusammen. Es wurden mehrere Genveränderungen entdeckt, die das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen erhöhen. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Die meisten Betroffenen vertragen bestimmte Lebensmittel nicht. Die Krankheit ist nicht psychosomatisch bedingt, Stress und Belastungen können aber aktive Schübe auslösen.

Wahrscheinlich spielt eine Fehlfunktion des Immunsystems in der Auseinandersetzung mit den Bakterien der Darmflora die entscheidende Rolle bei der Entstehung der Colitis ulcerosa.

Menschen, bei denen der Blinddarm entfernt wurde, haben ein vermindertes Risiko für eine Colitis ulcerosa. Das Gleiche gilt für Raucher. Der genaue Zusammenhang ist allerdings unklar.

Bei allen Patienten mit Colitis ulcerosa ist der Enddarm (= Mastdarm) befallen. Von dort kann sich die Erkrankung unterschiedlich weit über den gesamten Dickdarm erstrecken. Bei 50 Prozent der Patienten sind nur der Enddarm und der untere Teil des Dickdarms betroffen, in je etwa einem Viertel der Fälle zusätzlich der absteigende linksseitige Abschnitt des Dickdarms oder der gesamte Dickdarm.

Symptome

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In circa 85 Prozent der Fälle verläuft die Colitis ulcerosa chronisch und schubweise. Nach Phasen ohne Krankheitsanzeichen, die auch Jahre andauern können, erfolgt ein Rückfall. Rund zehn Prozent der Patienten haben keine beschwerdefreien Zeitabschnitte. Ganz selten (in fünf Prozent der Fälle) beginnt die Colitis ulcerosa dramatisch aus bester Gesundheit heraus und ist dann besonders gefährlich, weil viele Komplikationen auftreten.

Der Verlauf der Colitis ulcerosa ist nicht vorhersagbar. Häufig ist der Beginn schleichend. Je weiter die Colitis ulcerosa fortgeschritten ist und je stärker sie sich im Darm ausgedehnt hat, desto heftiger können folgende Beschwerden ausgeprägt sein:

  • Blutige Durchfälle (bis zu 40-mal pro Tag) sowie Eiter und Schleim im Stuhl. Der Blutverlust hat manchmal eine Blutarmut zur Folge, massive Blutungen können lebensbedrohlich sein.
  • Dauerhaft schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmen)
  • Nächtlicher Stuhldrang
  • Blähungen, die auch zu einer Stuhlinkontinenz führen können
  • Kolikartige Bauchschmerzen meist im linken Unterbauch, unter Umständen verbunden mit leichtem Fieber
  • Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Leistungsverlust
  • Seltener treten Entzündungen von Gelenken (Arthritis), Haut oder Augen (Uveitis) auf.

Mediziner unterscheiden verschiedene Abschnitte im Krankheitsverlauf einer Colitis ulcerosa:

Akuter Schub: Charakterisiert durch die typischen Beschwerden wie blutigem Durchfall und schmerzhaftem, aber vergeblichen Stuhldrang.

Fulminanter Schub: Neben blutigem Durchfall treten noch allgemeine Krankheitssymptome auf wie zum Beispiel Fieber (über 38,5 Grad), beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Blutarmut (Anämie), Gewichtsverlust.

Chronisch aktiver Verlauf: Anhaltende Beschwerden trotz medikamentöser Therapie; die Medikamente bewirken zwar eine Besserung, aber keine vollständige und dauerhafte (< 2 Rückfalle pro Jahr) Normalisierung des Zustandes.

Remissionsphasen: Abschnitte ohne Beschwerden.

Komplikationen

Infolge einer Colitis ulcerosa kann es zu teilweise massiven Blutungen kommen. Eine gefürchtete, aber seltene Komplikation der Colitis ulcerosa ist das Toxische Megakolon: Die Schäden in der Darmwand führen zu einer Darmlähmung, der Dickdarm dehnt sich auf, und der Körper reagiert wie bei einer Vergiftung mit Fieber und Abwehrvorgängen. Häufig kommt eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) hinzu, und es besteht die Gefahr eines Darmdurchbruchs (Perforation). Selbst bei sofortiger Behandlung ist dies eine lebensbedrohliche Komplikation.

Weitere mögliche Komplikationen der Colitis ulcerosa sind Darmkrebs und die primär sklerosierende Cholangitis (Entzündung und Einengungen der Gallenwege). Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen.

Diagnose

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Bei der Diagnose einer Colitis ulcerosa erhebt der Arzt die Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei tastet er unter anderem das Rektum aus.

Die beste Untersuchungsmethode für die Diagnose einer Colitis ulcerosa ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei werden aus jedem untersuchten Darmsegment Schleimhautproben gewonnen und im Labor untersucht. So lässt sich abklären, ob eine Entzündung vorliegt und wie diese beschaffen ist. Zur Absicherung der Diagnose ist eine weitere Darmspiegelung mit einer erneuten Entnahme von Gewebeproben erforderlich, wobei die Zeitdauer bis zur Kontroll-Untersuchung vom jeweiligen Krankheitsverlauf abhängt.

Eine Blut-Untersuchung gibt Hinweise, wie stark die Entzündung bei einer Colitis ulcerosa ausgeprägt und wie hoch der Blutverlust ist. Dazu werden anfangs und im Verlauf CRP und Blutbild untersucht. Ergänzend empfiehlt es sich, das Blut auf erhöhte Leberwerte zu untersuchen – insbesondere von Gamma-GT und Alkalischer Phosphatase (AP).

Als ergänzende Methode zur Diagnose der Colitis ulcerosa wird sowohl bei der Anfangs- als auch der Verlaufsdiagnostik die Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) des Bauches eingesetzt.

Durch eine bakteriologische Stuhl-Untersuchung wird eine Infektion mit krankheitsverursachenden (pathogenen) Darmbakterien als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen.

Therapie

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Medikamente

Da die Ursachen der Colitis ulcerosa nicht genau bekannt sind, lässt sich die Erkrankung auch nicht ursächlich behandeln und heilen. Entzündungshemmende Medikamente können einen Krankheitsschub mildern und die Zeitabschnitte zwischen zwei Schüben verlängern.

Bei einer Colitis ulcerosa wirken Medikamente am besten direkt am Ort des entzündlichen Geschehens im Darm. Die möglichen Nebenwirkungen sind dann am geringsten. Ist dies nicht möglich, müssen die Präparate über die Blutbahn wirkend (systemisch) eingesetzt werden. Folgende Medikamente kommen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Frage:

5-ASA-Präparat (5-Aminosalicylsäure)

Diese Medikamente, die zur Behandlung der Colitis ulcerosa eingesetzt werden, sind verkapselt. Dadurch lösen sie sich nach oraler Einnahme (als Kapsel) gezielt am Ende des Dünndarms oder erst im Dickdarm auf. Als Zäpfchen oder als Einlaufpräparat erreichen die Wirkstoffe nur den unteren Teil des Dickdarms. Diese Behandlung sollte mindestens noch zwei Jahre nach Abklingen der Entzündung fortgesetzt werden, um einen neuen Schub hinauszuzögern beziehungsweise einen beschwerdefreien Zustand zu erhalten. Mesalazin ist das Präparat der ersten Wahl.

Diese Medikamente hemmen nicht nur die Entzündung, sondern verringern auch das Darmkrebs-Risiko.

Kortison

Bei schweren Schüben und bei Versagen der 5-ASA-Therapie kommt Kortison zur Behandlung einer Colitis ulcerosa zum Einsatz. Der Wirkstoff wird in Form von Tabletten verabreicht. Ist nur der Enddarm befallen, kann Kortison auch als Zäpfchen oder Einlauf gegeben werden.

Mittel, die das Immunsystem bremsen

Immunsuppressiva werden bei schweren Verläufen der Colitis ulcerosa eingesetzt. Sie sind auch eine Alternative, wenn Kortison nicht ausreichend wirkt, zu hohe Nebenwirkungen verursacht oder aus einem anderen Grund nicht eingesetzt werden kann.

Escherichia coli Nissle

Bei Mesalazinunverträglichkeit kann auch die Einnahme von nicht-krankheitsmachenden Bakterien (Escherichia coli Nissle) die krankheitsfreien Intervalle verlängern. Das Präparat muss ständig – auch während des Transports – gekühlt werden und ist nur einige Monate haltbar.

Alternative Methoden

Einige Wirkstoffe zur Behandlung der Colitis ulcerosa sind noch in der Erprobungsphase. Fachgesellschaften empfehlen diese Medikamente daher bislang nicht außerhalb von Studien. Dazu zählen die Gabe von Antibiotika in Kombination mit entzündungshemmenden Medikamenten, die lokale Anwendung von Wachstumsfaktoren (epidermal growth factor), verschiedene Antikörper und Extrakte aus Weihrauch, die über einen neu entdeckten Weg entzündungshemmend wirken.

Ernährung

Es gibt keine spezielle Diät oder Ernährungstherapie, um eine Ruhephase der Colitis ulcerosa zu erhalten. Allerdings treten bei vielen Betroffenen spezifische Mangelzustände wie Blutarmut (Anämie), Eisen- oder Folsäuremangel oder Osteopenie (verminderte Knochendichte) auf. In diesem Fall sollten Sie sich beraten lassen, welche Lebensmittel für Sie wichtig sind.

Schub-Therapie

Die Therapie eines akuten Krankheitsschubes der Colitis ulcerosa wird in Stufen gesteigert – je nachdem, wie schwer der Schub verläuft. Je häufiger die blutigen Durchfälle auftreten, je höher die Körpertemperatur steigt und je ausgeprägter das Krankheitsgefühl ist, desto massiver muss therapiert werden. Es gibt folgende Einteilung und Maßnahmen:

  • Leicht: 5-ASA-Präparat (5-Aminosalicylsäure) als Kapsel bzw. Zäpfchen oder Einlauf
  • Mittelschwer: Zusätzlich Kortisontabletten
  • Schwer: Medikamente und Nährlösungen über eine Infusionslösung (Tropf)

Die Mehrzahl aller Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Colitis ulcerosa sind ambulant behandelbar. In den restlichen Fällen lässt sich ein Krankenhausaufenthalt nicht vermeiden.

Operation

In einigen Fällen lässt sich eine Colitis ulcerosa nicht mehr mit Medikamenten kontrollieren. In diesem Fall oder wenn Darmkrebs beziehungsweise Krebsvorstufen nachgewiesen wurden, ist eine Operation unumgänglich. Hier wird der gesamte Dickdarm entfernt. Neue chirurgische Techniken erlauben es, aus dem Dünndarm eine Art künstlichen Enddarm zu bilden, der die Reservoirfunktion des entfernten Mastdarmes übernimmt. Der Dünndarm wird dann direkt mit dem Schließmuskel verbunden (ileoanale Pouch-Operation). Somit bleibt eine kontrollierte Darmentleerung erhalten, und ein künstlicher Darmausgang lässt sich vermeiden.

In bestimmten Notfallsituationen (zum Beispiel Darmdurchbruch, lebensbedrohliche Blutungen) muss bei einer Colitis ulcerosa sofort operiert werden. Eine dringende OP ist auch erforderlich bei:

  • Einem fulminanten Schub, der sich mit Medikamenten nicht behandeln lässt
  • Einem toxischen Megakolon, der sich mit Medikamenten nicht behandeln lässt
  • Einer anhaltenden Blutung, die mittels Medikamenten nicht zum Stillstand kommt

Was Sie selbst tun können

Sie können das Auftreten einer Colitis ulcerosa nicht verhindern. Suchen Sie einen Arzt auf, sobald Sie Blut im Stuhl bemerken. Dadurch wird die Krankheit oft erst entdeckt. Wenn Sie bereits erkrankt sind, kann ein rechtzeitiger Arztbesuch die Schübe verkürzen und ihre Heftigkeit vermindern. Während eines schweren akuten Krankheitsschubs sollten sie Bettruhe einhalten. Sobald die Beschwerden abnehmen, können Sie Ihre gewohnten Tätigkeiten wieder aufnehmen.

Ernährungsxperten empfehlen Patienten mit einer Colitis ulcerosa eine ausgewogene und ausreichende Vollkost. Spezifische Diätformen sind nicht erfolgreich. Bei Eisenmangel (durch den Blutverlust aus dem Darm) müssen Sie auf eine ausreichende Nahrungsergänzung durch Eisentabletten achten. Bei längerer Anwendung kortisonhaltiger Präparate lässt sich das Risiko einer knochenschädigenden Wirkung durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D senken.

Oft bestimmt die Colitis ulcerosa das gesamte Leben von Betroffenen. Hier hilft möglicherweise eine Psychotherapie oder psychosomatische Betreuung. Der Umgang mit der Krankheit und dem eigenen Wohlbefinden wird geschult und verringert nicht selten die Beschwerden.

Nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe auf.

Prognose

Prof. Dr. med. Stefan Endres, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

Ist die Colitis ulcerosa auf den Enddarm und den letzten unteren Teil des Dickdarms beschränkt, haben Patienten eine gute Prognose und eine normale Lebenserwartung. Letztere ist bei Patienten eingeschränkt, bei denen sich als Komplikation Darmkrebs entwickelt, der nicht rechtzeitg erkannt wird. Mit einer medikamentösen, seltener mit einer chirugischen Therapie können die meisten Patienten ein normales Leben führen.

Das Risiko für Darmkrebs ist bei Patienten mit Colitis ulcerosa im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht. Um eine Krebserkrankung frühzeitig zu entdecken, sollten ab dem zehnten Krankheitsjahr jährliche Darmspiegelungen mit Gewebeentnahmen (Biopsien) durchgeführt werden. Eine Langzeittherapie mit 5-ASA-Präparaten kann das Krebsrisiko um bis zu 75 Prozent senken.

(Quelle: netdoktor.de)