[Rezension] Neil Gaiman „Der Fluch der Spindel“

DerFluchderSpindelenttäuschend – hatte mehr erwartet

Ich hatte mich wahnsinnig auf die Hardcoverausgabe der Märchenadaption mit tollen Zeichnungen um Schneewittchen und Dornröschen gefreut. Doch der abgehackte Schreibstil des Autoren Neil Gaiman mit kurzen knappen Sätzen und fehlenden Szenen war für mich absolut nicht märchenhaft und flüssig zu lesen. Die Sätze waren kurz, teils nicht zusammenhängend verständlich und manches Mal fehlten Verben und Substantive, was das Lesen erschwerte. Zudem wurden einige Handlungen/Szenen einfach weggelassen, so nach dem Motto: Der Leser kann sich denken, was hier geschieht. Kann der Leser vermutlich, aber beschrieben wäre es doch viel schöner mit märchenhaften Worten des Autors. Doch diese vermisste ich im gesamten Buch total. Man hätte so viel mehr daraus machen können oder war diese Kurzgeschichte auf eine bestimmte Zeichenanzahl begrenzt? Es hat mir absolut keinen Spaß gemacht, bei diesem unschönen Schreibstil der Geschichte zu folgen, die eh nur 72 Seiten lang war und sehr oft von Illustrationen in schwarz-weiß mit einem Klecks gold unterbrochen wurde.

Die Geschichte entwickelt sich anfangs wie ein Märchen, doch dann verwandelt sie sich in eine Art Zombi-Apokalypse, in der die Schlafenden die Hauptakteure verfolgen. Viel Gefahr konnte ich jedoch nicht spüren.

Und dann gibt es noch die böse Hexe … wie in jedem Märchen.

Das Ende hat mich etwas fragend zurückgelassen und war anders als erwartet. Es gibt einige Situationen, für die ich gern noch eine Erklärung gehabt hätte, um zu verstehen wieso ein Protagonist so gehandelt hat wie er es in dieser Kurzgeschichte tat.

Mit den Protagonisten bin ich nicht warm geworden. Sie waren alle recht oberflächlich dargestellt. Ich konnte als Leser nicht in ihre „Köpfe“ sehen und ihre Handlungen teilweise nicht nachvollziehen. Besonders was die Königin betrifft, die durch diese Geschichte führt und Schneewittchen ist. Aber Namen gibt es nicht. Überhaupt nicht. Alle werden nur durch ihr Äußeres bzw. ihren Beruf beschrieben. Von den 7 Zwergen aus Schneewittchen gibt es auch nur 3.

Nachvollziehen kann ich auch Folgendes nicht: Alles schläft. Mensch und Tier. Außer Spinnen. Die weben ganz vergnügt seit über 80 Jahren ihre Fäden. Maden sind ebenso wach. Wieso sind Spinnen und Maden munter, während alles andere in einen Tiefschlaf verfallen ist? Leider gibt es keinerlei Erklärungen dazu. Vielleicht sollte es nur den Grusel-Ekel-Faktor unterstützen?

Das Cover mit seinen verspielten goldenen Elementen und schwarzen Rosen auf halb transparentem Papier, das dahinter Dornröschen verbirgt und der verheißungsvolle Titel hatten mich magisch angezogen. Ich hoffte deshalb, eine fantastische Märchenadaption zu lesen, die genauso bezaubernd und wortgewaltig ist, wie Titel und Cover versprechen. Leider blieb es bei der Hoffnung …

Die Illustrationen von Chris Riddell sind toll gezeichnet und zeugen von Talent. Allerdings verstehe ich nicht ganz, was goldene Totenköpfe in den Zeichnungen zu suchen haben. Denn Zombies kommen nicht in der Kurzgeschichte vor, maximal Schlafwandler.

Das Hardcoverbuch ist größer als ein Taschenbuch (27 cm), dafür jedoch sehr schmal (1 cm). Es erinnert vom Äußeren stark an ein Kinder-/Märchenbuch, jedoch kann ich keine Empfehlung für Kinder aussprechen. Vielleicht für Teenager, aber nicht jünger!

Fazit:

Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht, hatte ich doch aufgrund der anderen Werke des Autors wesentlich MEHR und einen deutlich besseren Schreibstil erwartet.

Trotz des schönen Covers, der tollen Zeichnungen und des verheißungsvollen Titels kann ich nur 2,5 von 5 Punkten vergeben.

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Rezension „Drachenvolk – Aufbruch ins Ungewisse“ von Paul Stewart und Chris Riddell

Leser des geliebten Paul Stewart – Chris Riddell-Duos seien vorgewarnt, denn dies ist nicht ein typisches humorvoll ironisch geschriebenes Werk wie die Klippenland-Chroniken oder Muddelerde, sondern ein ganz anderer Stil, an den sich der ein oder andere Leser vielleicht erst gewöhnen muss.

Neue Ideen rund um die Drachenthematik werden in dieser Geschichte nicht präsentiert, dafür wird das bereits Bekannte (Drachenjäger und Drachenkrieger, Diebstahl eines wertvollen Drachen-Ei`s sowie das Drachenvolk KIN) anschaulich in bildreicher Sprache und mit kleinen Illustrationen ausgearbeitet, so dass diese Geschichte bis zum Schluss den Leser fesselt. Es wechseln sich ruhige Passagen mit Kampfszenen dramatischer Art ab, ebenso Abschnitte, in denen Micah um die Zuneigung und Aufmerksamkeit der Kin-Kriegerin Thrace kämpft.

Micah zieht vom Flachland in das Land der Drachen (= Hochland), um als wohlhabender Mann zurückzukehren und um das Herz eines reiches Mädchens zu erobern. Doch zuvor steht ihm ein mühsamer und gefährliches Unterfangen bevor. Denn der Weg in das Land der Drachen ist gefährlich und wird von kaltblütigen Killern und Kampfszenen überschattet. Micah hat Glück und trifft auf einen Jäger, der ihn in seine Lehre nimmt und sie gemeinsam den weiteren Weg beschreiten bis sie auf das Drachenmädchen Thrace treffen.

Die bildlich detailiert beschriebene Landschaft mit ihren spitzen Felsen, rauchenden Schloten und seinen Drachen geben dem Leser den Eindruck, als würde man selbst durch diese Gegend wandern und sich umsehen.

So ausführlich detailverliebt wie die Landschaft des Drachenlandes beschrieben wurde, fehlte es leider an den Charakteren und den Hintergrundinformationen. Man erfährt leider recht wenig über die Umstände der ärmlichen Verhältnisse Micah`s, über das gesellschaftliche System des Tieflands und über das Drachenvolk der Kin. Hier hätte einfach mehr beschrieben sein können, wie die Verbindung zwischen den Kin und den Drachen funktioniert und warum Drachen von wilden Drachen verstoßen werden, die die Kin-Verbindung eingehen. Ich hoffe, dass diese fehlenden Informationen im Folgeband erklärt werden.

Mit den einmalig unverkennbaren detaillierten schwarz-weißen Illustrationen von Chris Riddel wird jedes Kapitel eingeleitet, welche sich immer wieder perfekt in die Geschichte einfügen und dem Buch ihren eigenen schönen Stil geben. Es gibt leider nur wenige große Zeichnungen, die die Drachen auf ihre inspirierende Weise darstellen und den Betrachter fesseln.

Das Ende des Buches könnte als abgeschlossene Handlung durchgehen, jedoch wird genügend Freiheit gelassen, um über das Ende hinaus weiterzudenken. Deshalb bin ich schon auf die Fortsetzung dieses ersten Bandes gespannt. Einige Ungereimtheiten tauchen gegen Ende der Geschichte auf, die so hoffe ich, in der Fortsetzung aufgeklärt werden.

Die Schrift dieses Hardcover-Buches ist leicht lesbar gedruckt, der Zeilenabstand ist breit, so dass dies selbst Lesermuffel trotz der hohen Seitenzahl anlocken sollte.

Das Cover selbst ist sehr ansprechend, verrät es doch bereits hier kleine Einblicke auf die Geschichte und die Drachenwelt selbst mit ihren spitzen Bergen. Das tollste jedoch ist der Weißdrache im oberen Drittel des Covers, der je nach Lichteinfall aufgrund von Silberprägung silbern schimmert. Mir gefällt auch die Gestaltung des Covers in warmen Farbtönen, was mich im Buchladen magisch anzog und mich neugierig machte. Es sei jedoch noch einmal abschließend gesagt, dass dies nicht ein typisches Stewart & Riddell-Werk ist. Allerdings hat diese Geschichte auch ihren Reiz, also versucht euch auch an diesen etwas anderen Stil gewöhnen, da es sich lohnt.

Insgesamt ist dies eine grundsolide Geschichte über Drachen mit bereits bekannten Elementen in einer angenehmen Sprache und tollen Illustrationen. Deshalb vergebe ich 4/5 Punkten an dieses Werk, besonders, weil mir die Illustrationen und die Covergestaltung so gut gefallen haben.

Produktinformationen

  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Sauerländer; Auflage: 1 (1. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3794161963
  • ISBN-13: 978-3794161966
  • Preis: 19,95 Euro (D)

Über den Autoren und Illustratoren

Paul Stewart arbeitete zunächst mehrere Jahre als Englischlehrer auf Sri Lanka. Zurück in England, unterrichtete er an Grundschulen. Seine Arbeit als Lehrer hat er aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Paul Stewart lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Brighton.Chris Riddell studierte Illustration in Brighton und hat zahlreiche Bilderbücher illustriert, hat aber auch schon eigene Geschichten veröffentlicht. Seine Figuren sind bekannt für ihren Witz und für die phantasievollen und faszinierenden Details. Chris Riddell schuf u.a. die Cover für die Kult gewordenen Bücher von Terry Pratchett. Er lebt mit seiner Familie in Brighton. Für seine Illustrationskunst erhielt er 2002 die Kate-Greenaway-Medal sowie den Smarties Book Prize Silver Award