Rezension „Die dunkle Chronik der Vanderborgs Band 2 – Amanda, deine Seele so wild“ von Bianka Minte-König

Packend, gefühlvoll, mitreißend, mystisch, historisch, genial!

Estelles Tochter Amanda wird aufgrund eines vampirischen Unglücks als sie 14 Jahre war durch ihren Onkel Hansmann in die Psychiatrie für mehrere Jahre eingewiesen, wo neumodische Techniken wie Elektroschocks sie zur Vernunft bringen sollen. Aufgrund dieser menschenunwürdigen Quälereien verfällt Amanda in eine katatonische Starre, aus der nur Dr. Conrad Lenz – ein Anhänger der Freud`schen Wissenschaft herausholt. Mit Hilfe von ihm, ihren Großvater Jakob Vanderborg und ihrem tod geglaubten Onkel Friedrich macht sich Amanda auf die Suche nach ihrer Mutter in die Karpaten auf zum düsteren Schloss von Utz`Vorfahren. Jedoch werden sie hier nicht liebevoll empfangen und so nimmt die dunkle Chronik der Vanderborgs erneut ihren Lauf.

Amandas seelische und körperliche Folterungen sowie ihre Gefühle diesbezüglich veranschaulicht die Autorin sehr deutlich, so dass ich regelrecht mit Amanda mitlitt und mitfieberte und mit ihr kämpfte, um schlimmeres zu verhindern. Es ist sehr gefühl- und emotionsvoll geschrieben, so dass man als Leser das Gefühl bekommt, selbst Amanda zu sein. Sehr gelungen war auch die Geschichte in der Psychiatrie selbst aus Amandas Sicht und wie Amanda auf Dr. Conrad Lenz stieß, er sie zurück ins Leben holte, wie sie sich zu einer wunderschönen Frau wandelte und ihre vampirische Natur Stück für Stück entdeckte, ihre Vergangenheit immer mehr in Erinnerung brachte und ihre Liebe zu Conrad Lenz entdeckte. Kurz gesagt, wie Amanda erblühte. All diese Dinge machten mir diese Geschichte unwiderstehlich, so dass es mir schwer fiel, dieses Buch aus der Hand zu legen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht.
Sehr spannend wurde die Befreiungsaktion von Estelle, Amandas Mutter, bildlich dargestellt, so dass ich sehr mitfieberte und über den Ausgang mehr als betrübt war – wie die Charaktere selbst.

Die Charaktere wurden auch in diesem 2. Band wieder sehr anschaulich dargestellt, so dass ich mich als Leser gut in Amandas Situation einfand und alte Bekannte wieder auftauchten, was mich sehr freute. Es kamen auch neue Darsteller in dieser Geschichte hinzu, die mir ebenso angenehm wie auch sympathisch waren. Andere hingegen (z. B. Utz und Radke) hatten wie im ersten Band weiterhin einen negativen Nachgeschmack und waren mir extrem unsympathisch, was die Spannung im Buch jedes Mal wieder magisch ansteigen ließ.

Sehr gelungen fand ich, dass Amandas (Familien-)Leben mit der deutschen NS-Geschichte rund um die „Goldenen Zwanziger“, die Hitlerjugend, Judenverfolgung etc. miteinander verknüpft wurden, die sehr anschaulich und gefühlsintensiv erzählt wurde. Hier bekam man einen guten Einblick in die damalige Zeit zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg, so dass man das Gefühl hatte, dass die Autorin selbst zu dieser Zeit gelebt haben musste. Dieser geschichtliche Hintergrund wurde sehr gut von der Autorin Bianka Minte-König recherchiert und in wirklich guten bildlichen Sätzen veranschaulicht, so dass ich selbst noch immer eine Gänsehaut bekomme, wenn ich nur an die deutsche geschichtliche Vergangenheit denke.

Die Spannung nahm noch einmal zu, als von einem alt bekannten fiesen Charakter gegen Ende des Buches wieder die Rede war, wobei ich wie die Hauptdarstellerin hoffte, dass dieser nie wieder auftreten würde. Nun bin ich dadurch schon sehr gespannt auf den 3. Band und auf die Fortsetzung der Geschichte um Amanda, ihre Freunde und Familie in „Louisa – Mein Herz so schwer“.

Die Gestaltung des Buches ähnelt dem 1. Band, so dass man die Zusammengehörigkeit deutlich erkennt. Auch hier wurde der Name des Hauptcharakters durch Herausstanzen weiß hervorgehoben. Wölfe zieren das Cover, welche einen dezenten Einblick auf die mystische Überraschung im Buch hinweist. Eine zierliche junge Frau mit blonden gelockten Haaren und sternenblauen Augen ziert im oberen Drittel das Gesamtbild. Amanda.

Das Buch ist in 4 Abschnitte mit einem Zitat und wölfischer Gestaltung untergliedert:
1)    Irrsinn
2)    Wiederkehr
3)    Verwandlung
4)    Blutrausch

Die Geschichte um „Die dunkle Chronik der Vanderborgs“ ist noch nicht beendet und wird im 3. Band „Louisa – Mein Herz so schwer“ fortgeführt und den Abschluss der Familiensaga bilden. Diese Geschichte spielt allerdings einige Jahrhunderte später und wurde im September 2011 veröffentlicht.

Fazit
Dieser 2. Teil der Familiensaga der Vanderborgs ist wie der erste Band gespickt mit historischem Hintergrundwissen, mystischen und familiären Überraschungen und sehr viel Spannung und Gefühl geschrieben, so dass man als Leser sich sehr gut in die Hauptprotagonistin Amanda einfühlen kann. Ich mag diese Fortsetzung sehr gern, vor allem auch aufgrund des historischen Geschehens, so dass man als junger Leser, der diese Zeiten nicht miterlebt hat, einen guten Eindruck bekommt. Wer also den ersten Band mochte, wird diese Fortsetzung der Geschichte ebenfalls gern lesen.

Dieses Buch erhält von mir 5/5 Herzchen!

Produktinformationen

  • Broschiert: 467 Seiten
  • Verlag: Otherworld Verlag; Auflage: 1. (März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3800095343
  • ISBN-13: 978-3800095346
  • Preis: 16,95 Euro (D)
  • eBook: ja

Ich bedanke mich bei Otherworld für die Bereitstellung dieses tollen Rezensionsexemplares.

Rezension „Estelle – Dein Blut so rot“ von Bianka Minte-König

Band 1 der „Dunklen Chronik der Vanderborgs“

Verflucht, verdammt, Vampirin bis in alle Ewigkeit

Estelle begleitet von ihrem Bruder Friedrich und ihrem Vater Jakob Vanderborg machten sich 1900 auf in die Karpaten (Polen), um einen leibhaftigen Vampir mithilfe einer Maschine zu fangen. Doch etwas ging schief. Anstatt einen Vampir zu fangen, übernimmt die Vampirin Eleonore, die in ihrer Vergangenheit mordete, pfählte und Männer kastriert und niedermetzelte, durch einen Blitz aufgrund eines heftigen Gewitters den Körper von der jungen Estelle und vertreibt deren Seele. Estelle stirbt, doch Eleonore lebt in ihr weiter… als Mensch mit vampirischen Eigenschaften. Doch keiner ahnt von diesem Ereignis, nicht einmal ihr Bruder oder ihr Vater. Blutdurst, Lichtscheu und aus einem anderen Jahrhundert versucht Eleonore das Leben von Estelle als Schwester und Tochter der Vanderborgs zu meistern. Doch auch als Estelle ist Eleonore das Glück nicht gegönnt. So verliebt sie sich in ihren „Bruder“ Friedrich. Die Anziehungskraft zwischen den beiden Geschwistern vergrößert sich, was auch dem Vater nicht entgeht und über eine normale Geschwisterliebe hinausführt.

Aus diesem Grund und der finanziellen Notlage heraus, wird Estelle/Eleonore gezwungen, einen Handelsunternehmer zu heiraten, der zwar das Vermögen besitzt, aber keine Liebe für Estelle. Liebe und Zärtlichkeiten erhält Estelle im Gegenzug von einem adligen Soldaten: Amadeus, der der beste Freund Friedrichs ist. Estelle und Amadeus verlieben sich ineinander. Anfangs ist es nur eine zarte Liebelei, die sich zunehmend vertieft und beide zu mehr antreibt. Doch Estelle ist bereits verheiratet… und ihr Ehemann fordert Amadeus zu einem Duell…

Die Autorin Bianka Minte-König entführt den Leser mit ihrem ersten Erwachsenenroman „Estelle – Dein Blut so rot“ in eine Welt der Vampire – einer gut gelungenen Mischung aus einer gefährlichen Liebesromanze, einem historischen Roman (Schauplatz ist u. a. der 1. Weltkrieg) und einer Geschichte über das Leben eines Vampirs in der damaligen Zeit. Beschrieben werden die Schauplätze (u. a. 1. Weltkrieg, Weltausstellung in Paris) zu der damaligen Zeit so genau und anschaulich, als sei die Autorin selbst direkt dabei gewesen, so dass man sich beinahe selbst in diese Zeit zurückversetzt fühlt. Wirklich sehr gelungen und gut recherchiert! Schon aufgrund des historischen Sprachstils einer vergangenen Zeit, der alles so lebendig und real wirken lässt, hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte das Gefühl mitten im Roman zu stecken und mit Estelle/Eleonore mit zu lieben, fiebern, hoffen, bangen, fürchten, etc.

Wunderbar umgesetzt waren die erotischen Szenen zwischen den Liebenden, die schön umschrieben wurden, so dass nichts Anstößiges daran zu finden war. Umso grober war die Brutalität des Ehemanns Estelles dargestellt, bei der selbst ich beinahe mitzitterte.

Diese außergewöhnliche Idee der Komposition der ganzen Elemente verleiht der Geschichte einen wunderbaren Zauber, der einen dieses Buch nicht mehr aus den Händen legen lässt.

Die Persönlichkeiten der einzelnen Figuren ist gut herausgearbeitet, so dass ich mir die einzelnen Charaktere bildlich vorstellen und ausmalen konnte – besonders bei Friedrich, Amadeus und Eleonore. Jedoch handelt die Figur Estelle/Eleonore manchmal ein wenig unverständlich und oftmals naiv. Vielleicht liegt es daran, dass 2 Charaktere in einer Figur verschmelzen und es somit hin und wieder zu inneren Konflikten kommt. Dennoch kann ich einige Reaktionen nicht nachvollziehen (Vergewaltigung durch ihren Ehemann, etc.).

Dieser Vampirroman und gleichzeitig auch Vampirdrama wurde in vier Kapitel unterteilt (1. Teil: Verirrungen, 2. Teil: Verbrechen, 3. Teil: Sühne, 4. Teil: Rache), die jeweils das Nachfolgende dramatisch und schaurig einleiten. Verziert wurden die jeweiligen Abschnitte mit Fledermäusen und einem passenden dramatischen Untertitel, der schon ein wenig mehr über das zu Erwartende verrät. Auch die Gestaltung des Covers wurde mit dem Titel gut verbunden – da wäre das Rot wie Blut, die Fledermäuse, ein blasses weibliches Gesicht mit faszinierenden anziehenden Augen. Ein faszinierendes einprägsames Werk!

Sehr ansprechend empfand ich die kursiv gedruckten Tagebuchauszüge/Erinnerungen Eleonores an ihre Vergangenheit aus über 400 Jahren. Hierbei wird der Leser in die Geschichte zurückversetzt, in der man erfährt, wie Eleonore zur Vampirin wurde, welcher Fluch auf ihr lastet und warum sie nach Rache dürstet. Ich empfand dies als angenehme Abwechslung, die sehr gut umgesetzt wurde.

Das Ende der Geschichte um Estelle und ihre Liebsten bleibt offen und lässt so manche Frage im Raum stehen, so dass ich mit Neugier die Fortsetzung „Amanda – Mein Herz so schwer“ lesen werde.

Mein Fazit

„Estelle – Dein Blut so rot“ ist eine gelungene Vereinigung aus historischem Liebesroman gepaart mit Intrigen und Fantasy-Elementen (Vampirismus), die mit gut recherchierten Fakten, anschaulicher Beschreibungen und historischem Sprachstil ein wirklich schönes Lesevergnügen bereitet.

Dieses schöne Werk erhält von mir 4/5 Punkte!

Autoreninfo
Bianka Minte-König, in Berlin geboren, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Professorin für Literatur-, Theater- und Medienpädagogik. Mit zwei Millionen Jugendbüchern hat sie sich in die Bestsellerlisten und die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben und ist auch im All-Age-Bereich mit romantischen Mystery- und Frauenromanen erfolgreich. „Die dunkle Chronik der Vanderborgs“ ist Bianka Minte-Königs konsequenter Schritt ins Erwachsenensegment. Dem Genre des historischen Vampirromans fügt sie mit dieser opulenten, auf drei Bände ausgelegten Familiensaga eine überraschende neue Facette hinzu.

Produktinformationen

  • Broschiert: 464 Seiten
  • Verlag: Otherworld Verlag; Auflage: 1. (15. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3800095246
  • ISBN-13: 978-3800095247
  • Preis: 16,95 Euro

Ich bedanke mich bei Otherworld für die Bereitstellung dieses tollen Rezensionsexemplares. 🙂