[Rezension] „Eve & Adam“ von Katherine Applegate

Leider viel Potenzial verschenkt

Eve-u-AdamBuchinhalt:

Als Milliardärstochter genießt die 16-jährige Evening Spiker so manches Privileg: Zum Beispiel einen Aufenthalt in der Privatklinik ihrer Mutter, wo sie nach einem schweren Verkehrsunfall genesen kann. Damit Eve sich im tristen Krankenhausalltag nicht langweilt, soll sie eines Tages ihren Traummann am Computer entwerfen. Augenfarbe, IQ – Eve darf entscheiden. Sie erschafft ihren virtuellen Adam und hält es für ein lustiges Spiel. Doch kurz darauf steht ihr Adam leibhaftig gegenüber

Meine Meinung:

Der Jugendroman beginnt mit der Situation des Autounfalls, in den Eve verwickelt ist,  wie er aus ihrer Sicht geschehen ist und wie sie ins Krankenhaus und später in die Privatklinik gebracht wird. Jene Privatklinik ist nichts anderes als das Forschungsinstitut ihrer strebsamen Mutter Terra, in dessen “heiligen Räumen” so manches genetische Experiment heimlich durchgeführt wird, andere Experimente allerdings zum Wohle der Menschheit vorgenommen werden (z. B. Heilmethoden von Viren und Bakterien, Infektionen und anderen erblichen Krankheiten).

Wichtigste Thematik in diesem Buch ist Genmanipulation, das Gottspielen, Menschen mit Hilfe eines Computers erschaffen, ihm alle lebensnotwendigen Körperteile geben, Haar- und Augenfarbe sowie Größe, IQ, Gesundheit, Sehstärke, Ausdauer, Charaktereigenschaften etc. selbst bestimmen. Das alles könnte in einer möglichen Zukunft Wirklichkeit werden (was mit Obst, Gemüse und Pflanzen bereits aktuell ist). Die Autorin hat sich über diese Zukunftsvision Gedanken gemacht und in diesem Roman zum Ausdruck gebracht und sicher so manchen Leser/in nachdenklich zurückgelassen mit den Fragen: Würde ich selbst meinen Traummann/meine Traumfrau entwickeln? Wie würde er/sie aussehen? Würde ich dafür auch über Leichen gehen, nur um in der Genetik eines Menschen zu experimentieren? Ich denke da nur an das grüne Schwein bzw. das Mädchen mit den 2 Gesichtern …

Ebenso wird der Unterschied zwischen arm und reich in die Geschichte eingewoben, so dass man auch hier wieder erkennen kann, wie die Reichen Priviligierten ihr Geld verschleudern, es nicht zu schätzen wissen und meinen, alles tun und lassen und jeden kaufen zu können, denn immerhin haben sie Geld und das bedeutet Macht, während die weniger Wohlhabenden eher als Fußabtreter und Bedienstete ausgenutzt werden.

Auch kommen Liebe und Freundschaft in diesem Roman nicht zu kurz. Wir lernen Eve`s freche und verrückte Freundin Aislin kennen, die einen Drogendealer zum Freund hat und es mit der Maffia zu tun bekommt. Ein ebenso starker und wichtiger Charakter ist Solo, den ich mit Eve sogleich ins Herz geschlossen hatte. Mit Adam konnte ich mich wenig anfreunden, vielleicht, weil er zu kurz kam oder nur oberflächlich als Schönling abgehandelt wurde. Ich fand ihn einfach nur “anwesend” und unbedeutend, mehr aber auch nicht. Terra, Eve`s Mutter ist ein Charakter für sich, stark, herrisch, beeindruckend und auch irgendwie furchteinflößend, was sehr gut und wortstark dargestellt wurde.

Katherine Applegate schrieb diesen Roman aus der Sicht von drei Personen. Einmal aus Eve`s Perspektive, dann aus Solos und schlussendlich auch aus Adam`s Sicht, so dass es hin und wieder zu kleineren Situationswiederholungen kam, die jedoch nicht weiter störten.

Anfangs dauert es ein wenig, bis die Geschichte in Fahrt kommt und der Leser mehr über das Projekt 88175 erfährt. Die Geschichte ist ansonsten gut durchdacht und flüssig geschrieben, so dass man schnell von einem Kapitel ins Nächste findet und durch den Spannungsaufbau mit Lesen nicht mehr aufhören möchte und so schnell mal eine Nacht durchliest. Allerdings  konnte man relativ gut erahnen, woraufhin die Geschichte in mehreren Bereichen hinauslaufen wird, trotz einiger Wendungen.

Das Cover zu Eve und Adam gefällt mir optisch sehr gut. Allerdings stimmt es nicht mit dem Inhalt überein. Denn es ist nicht Eve, die erschaffen wurde, sondern Adam, weshalb es eigentlich ein männliches Portrait auf dem Cover hätte sein sollen. Immerhin ist Eve die Schöpferin von Adam. Eve “baut” Adam am PC zusammen, gibt ihm Augen, Nase, Haare, Arme, Beine, Torso etc., nicht umgekehrt.

Vom Klappentext her erwartet man eine andere Geschichte, eine, in der sich z. B. Eve und Adam ineinander verlieben und Adam als Mensch nicht nur im letzten Drittel des Buches oberflächlich abgehandelt wird. Irgendwie hatte ich MEHR erwartet.

Den Begriff “Seelengefährte” in Bezug auf Adam fand ich in diesem Buch ziemlich unpassend, da es weder zwischen Evening und Adam funkte, noch eine seelische Verbindung zwischen den beiden Protagonisten auf ihre magische Weise bestand. Die einzige Verbindung die man zwischen Evening und Adam feststellen konnte, war die, der Schöpferin zu ihrem Geschöpf. Mehr war da nicht, das hat die Autorin sogar selbst geschildert, als Eve Adam im Bus küsste und nicht wirklich etwas dabei fühlte. Wenn sich Seelengefährten treffen, ist alles anders. Man fühlt sich zueinander hingezogen, denkt gleich, handelt gleich, spürt den anderen, auch wenn er nicht in unmittelbarer Nähe ist, man fühlt die Schmerzen des anderen, spürt eine tiefe Verbundenheit zueinander und ein unendliches Vertrauen in den Partner… kurzum, man ist auf magische Weise seelisch miteinander verbunden. Solch eine Verbindung gab es in diesem Buch zwischen Evening und Adam keineswegs.

Mein Fazit:

Zusammenfassend fand ich alle Charaktere authentisch dargestellt, die Geschichte größtenteils spannend geschrieben und  die gewählte Thematik aktuell. Leider wurde zu viel Potenzial verschenkt, da noch einiges ausbaufähig gewesen wäre.

Deshalb vergebe ich nur 4 von 5 Punkten für diesen Jugendroman.

 

 

 

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