Heimbesuch

Ich besuchte meine Großeltern heute in ihrem neuen Heim, zum ersten Mal seit ihrem Einzug diesen Dienstag. Zuvor hatte ich leider keine Zeit. Als ich das Heim heute betrat, war es sehr angenehm und ruhig, wundervoll durch kleine dekorative Details gestaltet und kein „Alte-Leute“-Geruch in der Luft. Ein Ort, an dem selbst ich mich irgendwann wohlfühlen könnte. Das Gebäude hat eine interessante Struktur, der Fahrstuhl innen ist mit lustigen Postkarten und Sprüchen verziert, so dass ich mich als Fahrstuhlgast darin gut aufgehoben fühlte, obwohl ich Fahrstühle total hasse. Diesmal aber hatte es mir Spaß gemacht.

Als ich dann das neue Heim meiner Großeltern betrat und meine Oma in ihrem Bett liegen sah, saß der Schock tief. Sie sah furchtbar aus, so als würde sie bereits mit 1 Bein im Grab stehen bzw. liegen. Mir schossen sofort die Tränen in die Augen. Meine Stimme bebte als ich sie begrüßte und ihre Hand hielt. Es zerriss mir das Herz, meine Oma so zu sehen. Sie hatte seit meinem letzten Besuch im Krankenhaus am Montag einen weiteren kleinen Schlaganfall erlitten und kann nun gar nichts mehr. Selbst das Reden klappt nicht mehr, obwohl sie immer eine Frau der vielen Worte war und ich ihre Geschichten von früher liebte und ein guter und neugieriger Zuhörer war.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Oma hat Schwierigkeiten sich überhaupt noch zu verständigen. Das einzige, was noch klappt, ist ihre Hand halten. Da hat sie noch Kraft und hält einen fest und lässt einen nur sehr schwer wieder los… Mein Opa ist ähnlich. Er hat sich gleich mit beiden Händen an meiner Hand festgekrallt.
Beide sind mittlerweile auf beiden Augen blind und haben nur noch ihre Hände zum „Sehen“.

Leider können sie ihr neues zu Hause nicht sehen, dann würden sie auch die kleinen wundervoll gestalteten Details sehen, mit denen dieses Heim ausgestattet und wohnlich gemacht wurde.

Mir brach das Herz und meine „Dämme“, so dass ich erst einmal weinen musste. Ich hoffe, die beiden haben es nicht mitbekommen. Ich hatte versucht so leise wie möglich zu weinen.

Ich verstehe nicht, wie meine Oma nur so schnell – innerhalb von 3 Tagen – dermaßen abbauen konnte… Sie ist jetzt in der Pflegestufe 3 und wir wissen nicht, ob sie das WE überleben wird… Das macht mich sehr sehr traurig…

Ich bin froh, dass ich sie noch einmal in ihrem neuen zu Hause aufgesucht habe, auch, wenn es mir mein Herz und meine Seele zerreißt und mich sehr traurig und nachdenklich stimmt.

 

 

4 Kommentare zu “Heimbesuch

  1. sunny69a sagt:

    Süße, das tut mir so leid, ich kann ziemlich genau nachvollziehen, was Du gerade durchmachst und wünsche Dir viel Kraft für die bevorstehende Zeit. Lass Dich mal drücken!!!

    Liebe Grüße und die besten Wünsche

  2. lottapauline sagt:

    Liebes Schneewittchen,

    das ist so traurig sowas mitzuerleben.

    Wenn Beide die schönen Details selbst nicht mehr sehen können, könntest du ihnen ja schildern. Dann hättet ihr auch eine Basis für Gespräche.

    Auch hören Sie sicher gern, was du so erlebt hast. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

    Hab vieeel Kraft!

  3. M. sagt:

    Kannst du nachempfinden, wie ich mich an manchen Tagen fühle? Ich habe das Leid und Elend Tag für Tag vor Augen. Es gibt so viele Dinge, die man nicht nachempfinden, geschweige denn verstehen kann. Genieße die Zeit, welche du mit deinen Großeltern noch haben kannst, auch wenn dir das Herz dabei weh tut. Du darfst es sie niemals spüren lassen. Dafür wünsche ich dir Kraft und Stärke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s