Gebet einer Sekretärin

Lieber Gott,
 
gib mir das Gedächtnis eines Elefanten, oder zumindest ein unfehlbares Dreijahresgedächtnis.
  
Lass das Wunder geschehen, dass ich alles zur selben Zeit tun kann: Zum Beispiel alle Telefone gleichzeitig bedienen und dazu noch einen Brief schreiben, der „unbedingt noch heute raus muss“ – obwohl ich weiß, dass er erst morgen unterschrieben wird.

Statte mich mit der Geduld eines Engels aus, wenn der Chef mich stundenlang eine Akte suchen lässt, die ich schließlich auf seinem Schreibtisch finde.

Vergiss bitte, dass ich als Schulabschluss Mittlere Reife angeben muss und fülle meine Gehirnwindungen mit dem Wissen eines Universitätsprofessors.

Hilf mir, alles zu verstehen, auch wenn die Informationen unverständlich sind. Hilf mir, alles richtig zu machen, auch wenn die Anweisungen falsch sind.

Erleuchte mich, so dass ich allezeit weiß, wo der Chef ist, was er tut und wann er zurück kommt auch wenn er verschwand, ohne ein Wort zu sagen.

Lass mich am Jahresende, wenn ich „weisungsgemäß“ alte Akten vernichte, ahnen, welches Stück davon der Alte in den nächsten Tagen „unter allen Umständen“ haben „muss“ (Besorgen Sie’s. Wie ist mir egal!“)

Gib mir die Nerven wie Drahtseile, damit ich unerschütterlich lächle, wenn Ober- und Unterchefs daran zerren. 

Und belohne die Chefs und Chefinnen, die bei solchem Zerren nicht mitmachen, sondern wissen, dass eine Sekretärin „auch nur ein Mensch ist“, und danach handeln.

Amen

Der BSE-König

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Das ist der Wahnsinn mit seinem Rind.
Er hält das Tier recht fest und stark,
er will ins Hirn und Rückenmark.

Du liebes Rind, komm spiel mit mir,
gar schöne Erregung verschaff ich Dir!
Erreger, wie Du sie nie gekannt
frisch importiert aus Engeland.

„Doch sag, was birgst Du so bang Dein Gesicht?“
„Kennst, Wahnsinn, Du den Funke nicht?
Der redet schon seit eh und jeh,
in Deutschland gibt’s kein BSE.“

„Du dumme Kuh, hörtest Du nicht,
wie Andrea Fischer sich laufend verspricht?
Erst hat sie auf deutsche Würste geschworen,
jetzt redet sie nur noch von Separatoren“.

„Ach, bleib ganz ruhig“, sprach da das Rind,
„Im Blätterwalde, da säuselt der Wind.
Was scheren mich BSE und EU?
Ich bin und bleibe ’ne glückliche Kuh.“

„Und so verarscht Ihr alle Leute?
Ihr seid ja des Wahnsinns fette Beute!
Doch warte, auch Dich errege ich bald,
und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“

„Jetzt reicht’s! Verlasse sofort meinen Stall!
Sonst schmeiß ich Dich in den Schlachtabfall.
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf:
Du wirst Tiermehl und ich fress‘ Dich auf!“

Dem Wahnsinn grauste, er flüchtet geschwind
zurück nach England. Das glückliche Rind
erreicht des Bauernhofes Gestade
und ward tags drauf schon zur Roulade.