Mein erster Tag in einer Rechtsanwaltskanzlei

Ich war sehr aufgeregt und schlief unruhig in der Nacht, da ich meinen ersten Tag in einer Rechtsanwaltskanzlei von mehreren Partnern als Sekretärin hatte. Eigentlich habe ich mit Rechtsanwälten absolut nix am Hut, da ich aus dem medizinischen Bereich komme – also eine medizinische Sekretärin bin. Dennoch hatte ich heute meinen ersten Arbeitstag in einer Kanzlei, probeweise.

Das erste was mir auffiel, war, dass es im Sekretariat von 3 – 5 Sekretärinnen sehr alte Möbel und noch ältere Geräte standen (Tische, an denen die Beine abfallen, Stühle, die permanent von alleine wegrollen, Regale, die gleich zusammenbrechen, etc.). Zudem war es sehr dreckig. Ich fühlte mich sogleich unwohl. Ich hatte mir ein Sekretariat eines Anwalts eher sauberer, übersichtlicher und auch irgendwie pingelig steril vorgestellt – eben so, als hätten dort alle einen Stock im Hintern. Aber das totale Gegenteil war der Fall… Leider.

Gleich zu Beginn hatte ich Probleme mit meinem Bürostuhl, als nächstes mit der Tastatur des Computers, die permanent klemmte und nicht alle Buchstaben schrieb, wie ich sie drückte. Nerv! Auch das Phonodiktat vom Band war unterste Schublade, denn es ließ sich zwar abspielen – immerhin – aber der Anwalt sprach sehr leise und das Rauschen der überalterten Kassette war dermaßen laut, dass ich das Diktat des Anwalts nicht/kaum verstand. Ich hätte am Liebsten alles gleich hingeschmissen. Aber ich quälte mich da durch. Es dauerte beinahe eine Ewigkeit bis ich endlich den ersten Brief fertig geschrieben hatte. Dabei bin ich eine Schnellschreiberin, aber die Phonokassette war so megamies und uralt, dass ich ständig zurückspulen und noch mal alles anhören musste. Ich hätte denen von der Kanzlei am Liebsten gesagt, die sollen die alten Kassetten endlich mal wegwerfen und sich neue besorgen oder gleich auf digital umstellen, doch ich hab als Anfänger dort eh nix zu melden. Die sparen echt am falschen Ende!!!

Später sollte ich dann meinen anfänglichen PC-Platz wieder räumen, da die eigentliche Kollegin gleich darauf eintraf und durfte mit einem anderen – genauso alten – PC vorlieb nehmen. Auch hier gab es wieder technische Probleme. Die Maus war ein Reinfall und arbeitete nur, wenn sie mal gerade Lust hatte. Die Tastatur tat es ihr gleich. Und als „mein“ Vorgesetzter Herr Anwalt dann doch endlich mal auf die grandiose Idee kam, ein Phonodiktat für mich zu sprechen, war der halbe Tag schon rum und ich durfte Akten umheften. Yeah! Das ist die Arbeit von Praktikanten, Lehrlingen oder Anfängern wie mir. Toll! Aber so verging die Zeit wenigstens ohne, dass ich mich mit der blöden Tastatur und der Maus herumärgern musste. Das digitale Phonodiktat war aber auch nicht besser als das Diktat vom Band. Auch hier war permanentes Rauschen und Fiepen, so dass ich rasch genervt war und nur die Hälfte verstand. Zudem waren all die PC-Programme völlig neu für mich und ich musste öfter nachfragen wie, wo und was ich anklicken oder schreiben oder drucken und speichern sollte. Klar, dass die anderen beiden Sekretärinnen genervt waren, aber hey: Die haben auch mal „klein“ angefangen. Das ist wohl einer der Gründe, weshalb ich heute ständig den Beatles-Song „HELP“ im Kopf hatte…

Pampig wurde die eine Sekretärin, die mich eigentlich einweisen sollte, als ich nicht wusste, was ein Rubrum ist. Davon hatte ich wirklich noch nie etwas gehört. Schließlich komme ich aus der Medizin und nicht aus der Rechtlichen Ecke. Falls ihr euch genauso fragt, was ein Rubrum ist, dann klickt einfach hier.

Der Rechtanwalt selbst, für den ich arbeiten sollte, kam mir so vor als würde er selbst seinen Kopf verlieren, wenn dieser nicht auf seinen Schultern festgewachsen wäre. Und erst dessen Büro! Das war ja noch schockiger als das Sekretariat. Vermutlich werden deshalb alle Kunden nur ins Konferenzzimmer gelotst bzw. auf dem Flur abgefertigt, weil Sekretariat und Büro keiner sehen sollte…

Ich habe mich jedenfalls nicht wirklich wohl dort gefühlt und war froh, als ich endlich Feierabend hatte und die Kanzlei verlassen durfte. Blöd nur, das genau zu meinem Feierabend es tierisch gewitterte, blitzte und regnete, so als würden Badewannen über Leipzig ausgegossen werden. Und ich, wie soll es auch anders sein, ohne Schirm! Also, im Schnellschritt zur Tram-Haltestelle geeilt, dort angekommen und auf den Fahrplan geschielt und festgestellt: Die Tram kommt nicht. Also Laufen! 20 Minuten im Regen, der nicht enden wollte. Als ich dann endlich am Bahnhof ankam, war ich pitsch nass und meine Tasche leicht durchgeweicht. Toll! Wenigstens war es im Hauptbahnhof trocken und angenehm, so dass ich schnell meine Bahn fand, einstieg und erleichtert aufatmete. Draußen schüttete es noch immer, aber ich saß vorerst im Trocknen.

Witzig war, dass, je weiter meine Bahn nach Wurzen fuhr, es draußen auch immer heller und sonniger wurde. Es war beinahe so, als ob Wurzen mich Willkommen daheim heißen wollte. Ich freute mich über diesen sonnigen Anblick sehr und genoss die Sonnenstrahlen, die meine Nase leicht kitzelten. Denn ich wusste, in LE (= Leipzig) schüttete es unerbittlich.

Mal schaun, wie der morgige Tag wird…