Verfolgungsjagd

Lilith (17 jähriger weiblicher Teenager mit langen pechschwarzen Haaren, schlanker Figur und katzengrünen Augen) und ihr 4 Jahre jüngerer Bruder Jeremy (ein „Normalo“ wie Lilith die Menschen ohne besondere paranormale Fähigkeiten bezeichnet) sind auf der Flucht vor einer Gruppe Soldaten, die Lilith gern wieder einfangen würden, um weitere Tests an dem jungen Mädchen mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten durchzuführen. Die beiden fliehen, werden bei ihrer Flucht allerdings von einem Hubschrauber aufgefunden, der sie verfolgt und mit seinen donnernden fliegenden Maschinengewehrkugeln zum Anhalten und Lilith zum Aufgeben zwingen will.

Auf einer verlassenen Landstraße mitten in der Wüste

Der alte klapprige Jetta hatte den Geist aufgegeben, nachdem die Gewehrkugeln aus dem bewaffneten Helikopter direkt hinter uns den Motor und das Kühlaggregat außer Gefecht gesetzt hatten. Heißer Dampf stieg auf, der Motor ließ und ließ sich einfach nicht mehr starten. Ich versuchte es noch einige Male, doch erfolglos. Der Wagen bewegte sich keinen einzigen Milimeter mehr weiter. Verdammter Mist! Fluchend schlug ich auf das lederumsäumte alte Lenkrad des Jettas ein, dessen Nähte sich bereits begannen aufzulösen und das Leder vom Lenkrad allmählich auseinander ging und abzufallen drohte. Ich griff anschließend meine Tasche mit dem allernotwendigsten Utensilien – ja, auch mein MP3-Player gehörte dazu, denn er beruhigte immer meine Nerven, damit ich nichts ausversehen in die Luft sprengte. Ich sprang aus dem Wagen, holte Jeremy vom Rücksitz und rannte mit ihm am Arm davon. Wieder einmal.

Die Hubschrauberblätter surrten ganz knapp über unsere Köpfe hinweg, ich hörte schon beinah, wie sie meine langen schwarzen Haare kürzten.

Wie tief wollte dieser idiotische Pilot denn noch fliegen? Will er uns die Köpfe von unseren Schultern schneiden oder was?

Jeremy stolperte beim Rennen über einen kleinen Stein auf der sandigen Straße und fiel beinah hin. Ich konnte ihn gerade noch auffangen und mit ihm weiter rennen, damit die Soldaten uns nicht sofort schnappen konnten. Ich jagte mit Jeremy so schnell uns unsere Füße trugen über die leere Landstraße, doch der Hubschrauber folgte uns noch immer. Verdammt. Was machen wir nur?

Spontan änderte ich meine Richtung, zog Jeremy an der Hand hinter mir her und spurtete über den goldgelben Wüstensand. Mitten hinein ins Nichts – außer ein paar rötlichen Felsen und Steinen, stacheligen grünen Kakteen und hohen Bergen. Letztere waren allerdings noch viel zu weit weg, als das wir die fliegenden Soldaten hätten abhängen können. Ich zermarterte mir das Hirn, mir fiel aber nichts brauchbares ein.

Wieso hatten sich die Soldaten nicht längst vom Hubschrauber absetzen lassen und jagten uns zu Fuß weiter? So schnell waren wir beide nun auch wieder nicht, dass die uns nicht hätten einholen können. Merkwürdig. Das bedeutete allerdings auch, dass alle sich noch im Hubschrauber befanden. Wir mussten ihn zerstören oder irgendwie vom Himmel holen, damit wir so wenigstens ein klein wenig zeitlichen Vorsprung hatten. Aber wie holt man einen bewaffneten Hubschrauber vom Himmel, wenn man nichts bei sich trug außer einem kleinen Taschenmesser, einer Umhängetasche mit Lebensmitteln, einem Handy, einem MP3-Player, einer silbernen Digicam und einer Flasche Wasser. Wir waren auch von nichts wirklich brauchbarem umringt in dieser trostlosen verlassenen Gegend. Was sollten wir nur machen? Jeremy rannte neben mir keuchend her und blieb plötzlich stehen. Mitten in der Verfolgungsjagd.

„Mach doch was, bitte! Die erschießen uns sonst noch.“ bat er drängelnd.

„Was soll ich denn machen? Soll ich die etwa mit meiner Wasserflasche bewerfen?“ fragte ich ihn irritiert.

„Du weißt schon was. Das Paradingsda… Das mit deinen Gedanken.“

„Das kann ich nicht.“

„Doch, das kannst du.“

„Nein. Kann ich nicht.“

„Oh doch! Ich habe gesehen wie du deinen MP3-Player in deinem Zimmer angeschaltet hast ohne ihn überhaupt zu berühren.“

„Ein MP3-Player ist aber auch viel einfacher und wesentlich kleiner als das riesen Vogelvieh dort oben!“ brüllte ich jetzt ihn fast an.

„Du kannst es doch wenigstens versuchen. Welche Wahl haben wir denn sonst.“

Gar keine. Doch das sagte ich Jeremy nicht.

Mist. Verdammter Mist. Warum müssen diese kleine Nervzwerge immer an meiner Seite sein und Recht haben wollen? Und warum kann sich dieses blöde Hubschrauberding nicht einfach in Luft auflösen oder einfach vom Himmel fallen und explodieren?

Der schwarze metallene Riesenvogel kreiste noch immer lautstark dröhnend über unseren Köpfen hinweg und entlud seine Kugeln in unsere Richtung.

„Lilith!“ schrie es direkt neben mir als gelboranger Sand in die Luft stob, als die Kugeln den sandigen Boden extrem nah neben uns trafen, so dass recht schnell ein leichter hauchdünner sandiger Nebelschleier entstand. Ich packte Jeremy am Arm, rannte wieder los und zog meinen kleinen Bruder hinter sich her.

„Wir müssen hier weg, sonst erwischen die uns noch. LAUF!“ befahl ich ihm barsch und jagte davon.

„Wir können aber nicht ewig davon laufen, Lilith.“

Ich weiß, dachte ich.

„Aber zuvor müssen wir erst einmal irgendwo Unterschlupf finden. Also halt die Augen offen. Irgendwo muss doch etwas sein, wo wir uns verstecken können. Die Frage bis dahin ist nur, wie wir den Heli loswerden können.“

Dieser verfluchte Hubschrauber ließ sich einfach nicht abhängen. Wie sollten wir beide uns nur verstecken können, wenn der immer wieder über unseren Köpfen kreist und uns mit seiner scharfen Munition befeuert?

Vielleicht hatte Jeremy ja doch recht. Ich sollte es vielleicht doch auf einen Versuch ankommen lassen. Okay, los gehts. Mehr als schief gehen, kann es ja nicht.

Ich atmete tief durch, schloss meine Augen, versuchte das störende lautstarke Motorengeräusch des Helikopter auszublenden und machte mich an die Arbeit. Ich ließ meine Gedanken in Richtung Hubschrauber gleiten, in sein Innerstes, in seine Elektronik. Denn nur diese konnte ich gegen die bewaffneten Männer einsetzen und ggf. zerstören. Aber zuvor musste ich erst einmal wissen, wie so ein Helikopter funktioniert.

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