Tommy auf der Flucht

written on 11.08.2009

Wir kamen spät von einer Familienfeier nach Hause, ich öffnete einige Fenster noch einmal zum Durchlüften ehe wir schlafen gehen wollten. Danach ging ich ins Bad Zähneputzen und trug zuvor meinem Partner Mike auf, auf meinen Kater Tommy acht zu geben, der gern am Fenster kuckt. Ich hatte gerade angefangen meine Zähne zu reinigen, als Mike plötzlich ins Bad gestürmt kam und sagte: „Tommy ist weg. Er ist aus dem Fenster gefallen.“ Ich hielt es anfangs für einen von seinen Scherzen und putzte in Ruhe weiter. Doch als dieser dann weiter darauf beharrte und seinen Schlüssel griff, verstand ich. Ich sprang augenblicklich in meine Sachen (Kleid und Jogginghose drunter). Ich schnappte mir meine Schlüssel, meine Schuhe, eine Taschenlampe und Tommys Lieblingsfutter und stürzte hinaus in die Nacht. Mike suchte bereits nach dem Kater mit seiner Taschenlame als ich dazu kam. Ich rief Tommy laut und hörte ein leises Mauzen. Er war da, aber wo? Wir konnten ihn nicht sehen, da er schwarz war. Ich rief ihn wieder und wieder – ohne Antwort. Erfolglos. Ich hatte tierische Angst um den Kleinen. Mike aber auch, denn wir wussten, dass, wenn wir Tommy heute Nacht nicht wieder fanden, würde er nie zurückkommen, da er sich nicht auskannte. Wir suchten also nervös weiter. Mike entdeckte ihn schließlich nach einer Weile und wollte Tommy zu sich locken, doch Tommy wollte nicht. Ich eilte vorsichtig zu ihnen, doch ein Zaun trennte uns von meinem Kater. Tommy mauzte jammernd, kam aber trotz Leckerli und meinem guten Zurufen nicht zu uns. Mike versuchte sich von einer anderen Seite heran zu schleichen, während ich mit dem Leckerli in der Jogginghose und der Taschenlampe zwischen meinen Zähnen bewaffnet, um überhaupt etwas zu sehen, über den hohen Zaun kletterte….hinein in die unbekannte Dunkelheit… Angst um mich hatte ich nicht, nur um Tommy.

Tommy rannte davon. Na super! Mistvieh!

Ich kletterte wieder zurück über den Zaun, hinter dem Kater her – über Müllberge, durch hohe Brennnesseln und hüfthohes Unkraut. Nur beleuchtet von dem winzigen Strahl meiner kleinen Taschenlampe. Ich wusste nicht, wo ich hintrat, so dunkel war es, da der Schein der kleinen Taschenlampe und mein Blick nur Tommy galten. Mike jagte hinter uns her, bekam Tommy aber auch nicht zu fassen. Der Kater war einfach zu schnell verschwunden.

Durch unser lautes Rufen und Tommys lautes Mauzen wurden ein paar Anwohner aufmerksam, die auf ihren Balkon hinaustraten und fragten, was wir denn suchten. Nach kurzer Erklärung bekamen wir ihre Hilfe und dann ging alles ganz schnell. Tommy sprang in seiner Verwirrung auf die Balkonmauer, Mike der direkt davor stand, schnappte ihn sich von hinten und hielt ihn fest an sich gepresst, damit der Kater nicht wieder wegrennen konnte. Die Balkoner waren leicht erschrocken vor dem riesigen Kater, aber ich war dankbar und eilte zu meinen beiden Lieblingen. Mike übergab mir Tommy und ich ließ den Kater nicht mehr los. Tommy mauzte megalaut klagend, ich versuchte ihn zu beruhigen und hielt ihn an mich gedrückt ganz fest. Ich wollte ihn nicht mehr verlieren, jetzt, da ich ihn endlich wieder hatte. Sein kleines Herzchen und auch meins rasten wie wild in unserer Brust.

Mike leuchtete uns den Rückweg nach Hause. Tommys Mauzen hallte laut durch die Nacht über den Hof und den Hausflur, als wir diesen endlich erreicht hatten. Es klang furchtbar und markerschütternd. Ich hastete, so schnell es mir möglich war, die Stufen zu meiner Wohnung rauf und war froh, als wir endlich im Hellen ankamen und ich meinen kleinen Ausreißer in meiner Wohnung sanft und erleichtert absetzen konnte. Und da sah ich ihn. Einen riesigen Blutfleck auf meinem Oberarm. Ich war erschrocken und untersuchte mich erst einmal kurz und stellte fest, dass ich unverletzt war. Tommy allerdings hinterließ rote blutige Fußtapsen auf meinem blauen Teppich im Wohnzimmer. Er jammerte auch jedes Mal beim Auftreten. Ich eilte erneut hinter dem Kater her, schnappte ihn mir sanft und sah nach. Er hatte sich auf seiner Flucht aus dem Fenster und durch das Gestrüpp die linke Hinterpfote verletzt. Es war ein tiefer Schnitt direkt durch seine kleine Fußsohle. Mir war schlecht. Blut sehen konnte ich ja noch nie wirklich. Da es aber verbunden werden musste, erklärte ich Mike rasch, wo er das Verbandszeug bei mir findet und nahm mit Tommy auf dem Rücken in der Küche auf dem Stuhl platz. Tommy wehrte sich, aber ich packte ihn nur umso fester, so dass Mike Tommy`s Fuß ordentlich verbinden konnte.

Anfangs lief Tommy kaum, er fiel eher um und fauchte und knurrte sein verbundenes Bein an. Wir hielten Sicherheitsabstand und ließen Tommy erst einmal allein bis er sich beruhigt hatte. Wir warteten in der Stube. Tommy kam nach einer Weile vorsichtig angetippelt und suchte wieder unsere Nähe. Seinen Verband hatte er nach ca. 1 Stunde auch irgendwie selbst abgeworfen und lag seither bei uns vorm Bett…

Ich zitterte noch immer ein wenig vor Angst und Schrecken um Tommy, war aber erleichtert, dass er wieder bei mir war und ihm nichts weiter passiert war.

Ein Kommentar zu “Tommy auf der Flucht

  1. Dieses (unschöne aber spannende) Ereignis hast Du super wiedergegeben.
    Wir haben auch einen Kater, einen ganz frechen. Aber abhauen kann er nicht, denn wir wohnen im Hochhaus und auf den Balkon darf er nicht, da passen wir verdammt auf. Nur einmal ist er meinem Mann hinterher bis zum Fahrstuhl und dann Richtung Treppenhaus….man, da ging mir aber auch die Muffe 😉

    Naja, euer Tommy ist unbeschadet zurückgekommen, hat sich vielleicht richtig gut amüsiert und Du bist wieder beruhigt….lach
    Alles ist gut!!!
    LG Martina

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