Schlangenbiss

written on 18.05.2010

Heute war ich sehr ruhig, beinahe schweigsam. Ich verspürte keine Lust mich mit irgendjemandem zu unterhalten. Ich hatte nicht einmal das Bedürfnis zu atmen, geschweige denn mich der Gartenarbeit zu widmen. Meinen Mitmenschen fiel meine getrübte Stimmung auf und sie sprachen mich darauf an, ich zuckte nur lustlos mit den Schultern und machte meine Arbeit weiter. Dabei fiel mir wieder ein, dass sich in unserer Gartensparte vor einiger Zeit eine Kreuzotter herumtrieb und sich am Liebsten unter Büschen und anderen zugewucherten Stellen versteckte. Ich wünschte mir, dass sie mich biss. Ich weiß nicht, woher dieser Wunsch plötzlich kam, aber er war da. Je länger ich im Garten in der Nähe von Büschen und Sträuchern arbeitete, desto mehr hoffte ich darauf, dass die Kreuzotter mich fand, mich biss und sich ihr Gift durch ihre Zähne in meine Haut spritzte. Ich wollte spüren wie sich das Gift in meinem Körper verteilte, ich wollte fühlen, wie sich alles verlangsamen würde bis mein Körper gänzlich gelähmt sei, sich mein Verstand nach und nach verabschiedete und ich einfach nur leblos daliegen würde, weil sich meine Seele ins Jenseits verabschiedet hätte…

Ich sehnte mich nach diesem Biss…

Ich träumte einen Traum, dass die Schlange mich fand und mir meinen sehnlichsten Wunsch erfüllte und mich angriff, ihre giftigen Zähne in meinen Unterarm versenkte und ihr Gift in mich eindrang. Ich rührte mich nicht und genoss einfach nur den kurzen stechenden Schmerz, den die Zähne der Schlange verursachten. Es stach und brannte, und ich genoss es. Ich bin eigentlich nicht masochistisch veranlagt, aber heute irgendwie schon. Nach nur wenigen Sekunden war alles wieder vorbei, die Zähne der Schlange waren wieder in ihrem Maul verschwunden und die Schlange zischte irgendetwas vor sich hin. Ich verstand kein Wort ihrer Schlangensprache und es war mir auch egal. Ich saß einfach da und wartete darauf, dass sich das Schlangengift langsam in meinem Körper verteilte. Ich weiß, ich hätte mich bewegen sollen, damit es schneller von Statten ging, aber genau das wollte ich nicht. Ich wollte einfach nur in Ruhe da sitzen und vor mich hinstarren, während mein Körper ganz allmählich vom Gift überschwemmt wurde…

Jemand stieß mich unabsichtlich an und mir wurde bewusst, dass alles nur ein Traum – ein Wunschtraum war. Langsam erhob ich mich aus meiner gebückten Haltung, richtete mich auf und blickte enttäuscht über den nicht stattgefundenen Schlangenbiss um mich herum und wollte nur noch von hier weg. Weg von all den Menschen, weg von dieser Umgebung, weg von diesem Planeten. Dabei fühlte ich mich einsamer denn je…

Die letzten Fotos von … #1

… der Leipziger Blechbüchse nahm ich Anfang 2010 auf ehe es endgültig abgerissen wurde. Ich bedauere diesen Abriss vom 01. April 2010 wie auch den des „Blauen Wunders“ sehr, war es doch ein Hinkucker und ein Wahrzeichen von Leipzig. Jetzt fehlen 2 dieser Wahrzeichen von LE und lassen Leipzig anders aussehen…

Abrissarbeiten


Der letzte stehengebliebene Rest der Blechbüchse – ehemals Karstadt/Horten