Abendspaziergang

Am späten Nachmittag machte ich mich auf zur Muldenbrücke zwischen Wurzen und Bennewitz. Ich wollte mir mal die untergehende Abendsonne anschauen und wie sie bei dem vielen Hochwasser derzeit wirkt. Kaum betrat ich den Damm gleich neben der Muldenbrücke, erblickte ich ein wundervolles Bild und musste es erst einmal in mich aufsaugen. Es zeigte die Muldenbrücke, wie sie goldgelbfarben von der untergehenden rotorangen Sonne  und ihrer Hochwasserreflektion angeschimmert wurde. Herrlich. Ich musste es einfach festhalten, so was sieht man schließlich so schnell nicht wieder. Unglaublich. Das Wasser färbte sich allmählich dunkelrot durch die untergehende Abendsonne und tauchte auch den Himmel in eine fantastische Mischung aus rot-orange und rosa-pink. Romantik pur! Langsam schlenderte ich von der Wurzener Seite nach Bennewitz hinüber und genoss die Aussicht auf das Wasser, die immer weiter sinkende Sonne, den Mond auf der anderen Seite, der immer höher anstieg, einfach alles… Ich konnte einfach nicht genug davon bekommen und schoss unzählige Fotos. Tolle Fotos. Schade war nur, dass ich mir dieses wunderschöne romantische Spektakel allein betrachten musste… Leider. Aber ich hatte ja meine Kamera dabei 🙂 Der Mond spiegelte sich wie flüssiges Gold im dunklen fließenden Wasser direkt unter mir. Es war ein toller Anblick, von dem ich mich kaum losreißen konnte, wie eigentlich von allen Momenten des heutigen Abends auf der Muldenbrücke.

Nach etwa 2 Stunden war die Sonne vollständig verschwunden, der Mond hatte seine nächtliche Position eingenommen und ich hatte meine Fotos „im Kasten“. Der Wind wehte mittlerweile auch kühler und heftiger als zuvor. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass es schon recht dunkel geworden war und ich eine der letzten Spaziergänger auf der Muldenbrücke war. Deshalb entschloss ich mich zur Heimkehr und musste mich durch einen finsteren Dschungel aus Bäumen kämpfen. Allein! Irgendwie war mir unheimlich. Ich hörte ständig irgendwelche Geräusche, blickte um mich, sah aber mit meinen menschlichen Augen nichts und wurde schneller.

Ich vernahm Schritte. Sie wurden schneller und schneller und lauter. Es waren meine eigenen. Meine Schritte halten laut auf dem Asphalt wider. Ich versuchte leiser aufzutreten, was angesichts meiner langsam aufsteigenden Panik nicht gerade einfach war. Selbst der Kies unter meinen Füßen durch den mittlerweile getauten Schnee knirschte gefährlich. Ich hatte angst hier allein im Dunkeln, umringt von Bäumen und dunklen Schatten. Warum hatte ich meine Taschenlampe nicht mitgenommen? Hätte ich sie überhaupt benutzt oder doch nicht, um nicht gleich entdeckt zu werden? Hastig eilte ich weiter und stolperte fast über meine eigenen Füße. Ich fing mich wieder und eilte schnellen Schrittes voran. Unruhig blickte ich mich immer wieder um. Doch ich sah nichts außer tiefe Schwärze. Ich hätte jetzt so gern Katzenaugen gehabt, schoss es mir durch den Kopf. Aber die hatte ich nicht. Meine Angst trieb mich weiter.

Eine Laterne. Endlich. Ich erreichte wieder zivilisiertes Gebiet. Dennoch war mir unheimlich. Ich sollte das nächste Mal nicht mehr allein im Dunkeln hinausgehen, beschwor ich mich und hastete nach Hause. Vor dem Wohnblock überzeugte ich mich noch ein letztes Mal, dass mir auch niemand gefolgt war, ehe ich meinen Schlüssel zückte, ihn ins Schloss steckte, aufschloss, in den Hausflur huschte und noch einmal nach draußen sah. Sicherheitshalber. Niemand folgte mir. Jetzt war ich beruhigt und schloss hastig die Haustür. Ich eilte die Stufen zu meiner Wohnung hoch, öffnete die Wohnungstür und betrat meine eigenen 4 Wände, heil und unversehrt. Ich atmete erleichtert hörbar aus. Dann erst legte ich meine Kamera bei Seite und zog mir meine dicke Winterkleidung aus. Handschuhe trug ich keine, wie hätte ich sonst Fotos schießen sollen?! Meine Hände waren eiskalt. Die Finger hatten sich feuerrot gefärbt und waren starr vor Kälte. Ich spürte sie kaum. Deshalb hatte ich auch arge Probleme den Reißverschluss meiner Winterjacke zu öffnen oder überhaupt den Zipper zu fassen zu bekommen…

Die entstandenen Fotos möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten und stelle einen Link für die restlichen Fotos meiner abendlichen Tour 😉 Viel Spaß beim Anschauen!

http://jalbum.net/a/872421/

2 Kommentare zu “Abendspaziergang

  1. Hallo phoenics
    man könnte meinen, man wäre beim Spaziergang dabei gewesen, so ausführlich und spannend hast Du es erzählt. Ich mag Deine Geschichten und komme immer wieder gerne hier her.
    Die Fotos hier gefallen mir auch sehr gut (vor allem das mit dem Mond) und sie passen außerdem immer genau zum ensprechenden Textteil, klasse gemacht.
    LG Martina

    ….ich habe gerade gesehen, es hat geklappt 😉

    • phoenics sagt:

      Hi Martina,

      dank deiner guten Anleitung hab ichs geschafft 🙂 Vielen lieben Dank nochmal 🙂

      Ich hatte die Fotos unterwegs gemacht und wie ich da so am Knipsen und auf dem Heimweg war, wusste ich schon wie ich was schreibe… und auch wo welches Foto hinkommt. Hat einfach schon im Kopf Spaß gemacht alles zu bloggen. Ist bei mir öfter so, dass ich JETZT die Gedanken habe und GLEICH notieren muss, aber nie 1 Stift parat habe. Dann muss ichs mir ja merken bis ich endlich daheim bin. Schwere Sache manchmal, wenn es zu viele gute Ideen sind ^^ Kennst du das auch?
      LG phoenics

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